Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Warum können Fifa und Blatter nicht besiegt werden? Was kann Cameron der EU abtrotzen? Was gibt es zum G-7-Gipfel zu sagen. Und zum IS? Lesen Sie hier, was "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu den aktuellen Themen zu sagen hat.

Das FBI hat Fifa-Präsident Sepp Blatter fast vom Thron gestoßen. Wen sollen die Amerikaner sich jetzt vornehmen?

Eine solche Kombination aus mächtig, reich und undurchsichtig wie die Fifa wird man wohl kein zweites Mal in der Welt finden. Weder Banken noch Konzerne können so unbeaufsichtigt agieren. Es ist kein Zufall, dass gerade Amerika, das am Rande der Fifa-Welt lebt, den Stein losgetreten hat. Die Uefa mit ihren Fußball-Weltmächten wie Deutschland, Italien und Spanien hat es jedenfalls nicht geschafft, und die Drittwelt-Verbände sind viel zu tief in das Blatter-System verstrickt. Wenn die Anklage stimmt, hat der Sepp deren Treue systematisch gekauft. Mit fast sechs Milliarden Dollar Einnahmen lässt es sich auch gut arbeiten. Selbstreinigung ist erste Fifa-Pflicht. Bloß: Wo viel Cash, da blüht immer die Korruption.

Großbritanniens Premier David Cameron will Reformen von der Europäischen Union. Was kann er erreichen?
Irgendwas geht immer. Die EU hat schon genug Probleme auf dem Teller: Griechenland, Mittelmeerflüchtlinge, Ukraine, Wirtschaftsstagnation. Sie kann keine zusätzliche England-Krise gebrauchen. Dagegen braucht Cameron eine kritische Konzession, um die Europafeinde daheim zu konterkarieren – die Stärkung der nationalen Parlamente. Die sollte auch ein deutsches Interesse sein, denn zu viel wird zu weit vom Souverän in Brüssel verfügt. Jedenfalls begreift Merkel, dass GB unverzichtbar ist. Ohne London wäre die EU nicht wirklich europäisch, sondern ein reiner Kontinentalverein. Deshalb ihre Parole: Wo ein Wille, da auch ein Weg.

G-7-Gipfel in Elmau: Wie ausgeprägt ist Bayerns Gastfreundschaft?
Welche Frage angesichts der Millionen, die alljährlich zum Oktoberfest strömen, wo die Maß jetzt schon über zehn Euro liegt. Neben dem Geschäftssinn herrscht freilich auch das „Mir san mir“-Gefühl, weshalb die Bayern die Olympischen Winterspiele verweigert haben. Eigentlich will der Bayer als solcher seine Ruhe. Andererseits hat Bayern nach dem Krieg mehr Ostflüchtlinge aufgenommen und sich schneller modernisiert als jedes andere Bundesland. Man sieht also: Völkische Klischees beweisen immer alles, die Behauptung wie auch das Gegenteil.

Ein Wort zum „Islamischen Staat“ ...
Der rollt wieder auf der Siegerstraße, und die Welt wundert sich. Die Erklärung liefert die „New York Times“: Im Luftkrieg gegen den IS werden täglich 15 Angriffe in Syrien und im Irak geflogen. Dagegen waren es 50 in der Nato-Kampagne 2011 gegen Libyen. Der Durchschnitt in Afghanistan 2001 war 85 pro Tag, im Irak-Krieg 800. Das heißt: Die Saudis und Amerikaner wollen nicht so richtig. Krieg sollte man allerdings nur führen, wenn man auch gewinnen will.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Derzeit lehrt er an der Stanford University. Fragen: fal

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