Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Was bringt eigentlich ein G-7-Gipfel? War es ein Fehler, dass der ägyptische Präsident in Berlin empfangen wurde? Die Fifa überwachen – und die Überwachung stärker kontrollieren? Lesen Sie hier, was "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu den aktuellen Themen zu sagen hat.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Der G-7-Gipfel in Elmau: Außer Spesen nichts gewesen?

Same procedure as every year. Das Abschlusskommuniqué wird vorher ausgehandelt, die Protestler haben die bekannten Parolen reproduziert: gegen Investitionen, Freihandel und Globalisierung, die die Welt zusammenwachsen lassen und gerade die armen Länder reicher machen – siehe zuletzt das rapide Wachstum in Afrika. Gegen den Kapitalismus könnte man viel besser bei der nächsten Fußball-WM anrennen. Die Fifa ist ein Monopol, das im Vier-Jahres-Zyklus der WM im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Dollar eingenommen und 2,2 Milliarden ausgegeben hat. Das ist ein märchenhafter Gewinn von 2,6 Milliarden, der praktisch steuerfrei ist. Dieses Monopol untersteht keinem Kartellamt, keiner internationalen Behörde, die über Compliance (Wohlverhalten) wacht. Von derlei Privilegien können Google, VW oder Shell nicht einmal träumen.

Ägyptens Präsident Sisi in Berlin: Roter Teppich für einen Mörder?

WmdW will, dass die moralische Großmacht Deutschland endlich den Verkehr mit allen Schurkenstaaten abbricht und nur noch Gäste aus den 95 Demokratien (von knapp 200 Ländern) empfängt. Niemanden aus Mittelost, Zentralasien, Afrika nach Berlin einladen, und schon gar nicht aus dem Iran und China. Beide verhängen die meisten Todesurteile auf Erden. Russland gehört ebenfalls auf die schwarze Liste. So wird Deutschland zum weltweiten Vorbild, weil es seine schnöden Interessen der moralischen Pflicht unterwirft.

Geheimdienstreform in den USA: Ist die nicht auch Snowdens Verdienst?

Wer die 342 Seiten des „Patriot Act“ gelesen hätte, der nach 9/11 verabschiedet wurde, wäre nicht überrascht gewesen. Die harten Einschnitte in klassische Freiheitsrechte standen dort schwarz auf weiß, zum Beispiel die massenhafte Überwachung des digitalen und Telefonverkehrs im eigenen Land und im Rest der Welt sowie die Vorratsdatenspeicherung. Von Anfang an haben Senatoren wie Dianne Feinstein (Demokraten) und James Sensenbrenner (Republikaner) das Gesetz attackiert. WmdW zählt ein Dutzend Bücher, die vor Snowden Einzelheiten enthüllt hatten. Es hat bloß verdammt lange gedauert, bis der Kongress erfolgreich gegen den Sicherheitsstaat interveniert hat.

Ein (letztes) Wort zur Fifa ...

Korruption ist praktisch eingebaut. Das Problem ist, dass jeder Nationalverband eine Stimme hat, die wenigen reichen sowie die vielen armen. Das lädt zum Stimmenkauf ein, und zwar zu recht niedrigen Preisen. Überdies ist die Fifa ein Privatverein, der keiner staatlichen Kontrolle unterliegt. Schließlich: Korruption lässt sich nur schwer nachweisen. Deshalb hat die US-Chefanklägerin die Al-Capone-Methode angewendet und wegen Steuerhinterziehung ermittelt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal.

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