Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Ist Erdogan am Ende? Wird die chinesische KP jetzt sauber? Und wie verwundbar ist Deutschland? Was "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu den aktuellen Themen zu sagen hat.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Wahlschlappe für die AKP in der Türkei: Ist Erdogan am Ende?

Am Ende (vorläufig) ist nur Erdogans Traum, sich mit einer verfassungsändernden Mehrheit zum Sultan, also praktisch zum Alleinherrscher wählen zu lassen. Das heißt aber nicht, dass die Türken ihn nicht mehr wollen; sie hätten den Megalomanen nur gern ein wenig kleiner. Aber Autoritäre wie Erdogan, der in Ankara einen 1000-Zimmer-Palast bewohnt, werden nach einer Wahlschlappe nicht demütig und bescheiden; sie denken sich neue Wege an die Spitze aus. Wie Putin ist Erdogan ein Meister des Machterhalts und -gewinns. Darauf wettet WmdW zehn Raki (Anis- Schnaps) gegen einen.

China verurteilt den Ex-Sicherheitschef wegen Korruption. Wird die KP jetzt sauber?

Das kann sie nicht. Korruption ist zwangsläufig in einem System, wo der Markt dem Staat untertan ist und deshalb politische Macht persönlichen Profit schafft. Wenn ein Funktionär Bauland, Lizenzen, Kapital und Marktprivilegien vergeben kann, gerät er unweigerlich in den Sog der Bestechung. Oder er schanzt sich selber Produktionsmittel zu; mit den Monopolgewinnen finanziert er seinen Kindern das Studium in Amerika nebst einer teuren Immobilie. Wie sagt doch, abgewandelt, Bert Brecht? „Was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Verfügungsgewalt über eine Bank?“ Oder über den Kapitalfluss insgesamt. Auch massenhafte Todesurteile können die Korruption in China nicht ausmerzen.

Cyberangriff auf den Bundestag: Wie verwundbar ist Deutschland?

Das wissen wir doch, hat doch die teuflische NSA selbst Merkels Handy geknackt. GCHQ (England) und DGSE (Frankreich) sowie FSB (Russland) sind besonders gern in Deutschland unterwegs, nicht zu vergessen die Chinesen, die hier muntere Industrie-Spionage betreiben. Weil wir so ein gastfreundliches Land sind, lassen wir sie gern werkeln. Und weil wir unsere Gegenspionage (Verfassungsschutz, MAD) mehr fürchten als Russen, Tod und Teufel, lassen wir die Abwehr auch nicht in den Bundestag. WmdW kennt einen zweiten Grund. Unsere Abgeordneten schätzen die Aufmerksamkeit, denn: In Berlin bleibt nur geheim, was im Bundestag gesagt wird.

Ein letztes Wort zum Berliner Schloss ...

Berlin, so das unsterbliche Wort des Ex-Bürgermeisters, sei „arm, aber sexy“. Es ist Zeit, dass die Stadt mal so richtig Prunk & Pomp herzeigt. Paris hat den Elysée-, London den Buckingham-Palast. Doch nun, da Berlin wieder im Mittelpunkt der Weltpolitik steht, und unsere Kanzlerin die ungekrönte Kaiserin von Europa ist, muss ein neues Schloss her, nicht bloß so ein Humboldtforum. Da gehört Merkel rein, und trotz der sehr deutschen Verzögerung von Großbauten (BER, Elbphilharmonie), wird sie den Umzug auch schaffen – so in ihrer fünften Amtszeit.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Derzeit lehrt er an der Stanford University Die Fragen stellte: mos.

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