Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Euro zusammen mit den Griechen schöntrinken, Machtpolitik von Wladimir Putin beobachten und mit der Queen den Atlantik queren.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Krisengipfel in Brüssel: Ist Europa ohne Griechenland schöner?
Schöner nicht, obwohl man Ouzo auch als Raki aus der Türkei kaufen kann. Indes wäre der Euro viel schöner ohne Griechenland. Athen hat beim Reingehen geschummelt, dann die Maßgaben verachtet und wilder über seine Verhältnisse gelebt als jeder andere Club-Med-Staat. Anders als Irland hat es nach dem Schuldenrausch nicht die Ausnüchterung geprobt oder seine Drittwelt-Wirtschaft umgebaut. Aber was soll’s? WmdW wettet noch immer darauf, dass die EU die Griechen retten wird, weil Merkel eine Höllenangst vor dem Grexit hat. Das ist wie bei der Atombombe. Kein Mensch kann die Weiterungen berechnen. Und Tsipras weiß das.

Putin rüstet auf: Wie kalt ist dieser Krieg noch?

Er ist insofern nicht mehr kalt, als Putin mit der verdeckten Invasion der Ukraine und der Einverleibung der Krim ein eisernes Gesetzt des echten Kalten Krieges gebrochen hat: keine gewaltsame Machtpolitik. Ausnahme Ostblock, wo die Sowjetunion dreimal Unabhängigkeitsregungen erstickt hat (DDR, Ungarn, CSSR). Die Aufrüstung begann spätestens 2008. Seitdem wachsen die Militärausgaben im Zehn-Prozent-Bereich, derweil der Westen diese seit Mitte der Neunziger stetig reduziert – die USA 2014 um sieben Prozent. Die gesamtdeutschen Streitkräfte betrugen einst 650 000 Mann; heute hat die Bundeswehr auf dem Papier nur 180 000. Die USA hatten 300 000 Mann in Europa; die sind heute auf zwei Kampfbrigaden geschrumpft. Mithin geht Putin ein überschaubares Risiko ein.

Schießerei in Charleston: Wie rassistisch sind die USA?

Der landesweite Tsunami von Trauer und Scham ist so „rassistisch“ wie ein deutscher Mohrenkopf. Wie empfindsam die Amerikaner geworden sind, hat WmdW bei einer Aufführung der „Zauberflöte“ in San Jose (Kalifornien) erlebt. Dort war der Schurke Monostatos kein Mohr mehr, sondern eine weiße Dracula-Figur. Anders Breivik hat 78 Menschen aus rassistischen Motiven abgeknallt; ist Norwegen demnach ein rassistisches Land? Richtig ist, dass es in Amerika noch immer recht einfach ist, sich mit Waffen einzudecken. Aber die elf Charlie-Hebdo-Toten und die 16 von Erfurt sowie eine Reihe von Massakern in Europa zeigen, dass auch die schärfsten Waffengesetze die Wahnsinnstaten von Einzelnen nicht verhindern.

Ein letztes Wort zur Queen …

... nämlich zur Queen Mary 2, auf der WmdW mit knapp 300 „Zeit“-Reisenden den Atlantik überquert. Nichts als Himmel und Meer – und acht Tage nichts zu tun, außer diese Kolumne zu schreiben. Der Dank gebührt Mary, der Gattin von Georg V. und Großmutter von Elizabeth II, nach der dieses 300- Meter-Schiff benannt worden ist.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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