Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe hofft auf die guten Absichten des Iran, hervorragenden Kaffee auch abseits von Kuba und beste Aktien im Fall Google.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: promo

Einigung mit dem Iran: Ist Obamas Erbe gerettet?

Das weiß man nicht, weil die Verwirklichung acht bis 15 Jahre lang dauert, Obamas Amtszeit aber im Januar 2017 endet. Das Abkommen nimmt Iran nicht die Mittel zum Bombenbau, sondern verlängert nur den Weg, wenn es eingehalten wird. Es setzt auch die guten Absichten eines Landes voraus, das seit Schahs Zeiten zur Bombe greift, egal was die Kosten sind (Sanktionen, Paria-Status). Wenn Iran schummeln will, wird es auch die recht strengen Kontrollen umgehen können. Der Deal beruht auf der Hoffnung, dass die Öffnung – Handel, Investitionen – die Innenpolitik verändern, also die Kräfte stärken wird, die das Land in der Gemeinschaft der Nationen verankern wollen.

Einigung mit den Griechen: Ist Merkels Erbe gerettet?

Welches? Der Bestand der Euro-Zone, ja. Eine anpassungswillige Euro-Zone, die sich Wettbewerbsfähigkeit durch harte innere Reformen erkämpft, nein. Alle haben am Fall Athen gelernt, dass Merkel eben nicht die Kaiserin von Europa ist. Zum Schluss hat sie Griechenland ein drittes Hilfspaket geschenkt, und da die Griechen schon heute ihre Schulden nicht bezahlen können, werden sie die Mehrschulden erst recht nicht schaffen. Nummer vier ist also programmiert, mitsamt „Haircut“ (Schuldenschnitt) und „Umstrukturierung“ (Verlängerung der Rückzahlungsfristen). Der Euro ist gerettet, aber Euro-Land wird zur Transferunion, was nicht der Sinn der Sache war.

Steinmeier in Kuba: Wann folgt der erste Starbucks?

Der nächste liegt 170 Kilometer von Havanna, in Key West, Florida. Steinmeier kann höchstens den Weg für Tchibo freimachen. Aber Kaffee haben die Kubaner selber, und Raoul Castro will zwar Investitionen anlocken, nicht aber den Kapitalismus. Dieser aber ist listiger als der Kommunismus. Erst kommen die Touris, mit ihnen die Hotels und die Produkte – Würstchen und Bier, Burger und Coke – die Germanen und Amis so schätzen. Irgendwann auch Starbucks, obwohl (Privatmeinung von WmdW!) bei diesem Kaffee der Preis und die Leistung ziemlich auseinanderklaffen.

Ein nicht letztes Wort zu Google...

Der Marktwert der Firma ist am Freitag um 65 Milliarden Dollar angeschwollen; das ist die halbe Wirtschaftsleistung von Ungarn. An einem Tag ist der Preis der Google-Aktie um fast 100 Dollar hochgeschossen, um 16 Prozent. Einen Rekordstand erreichte auch Facebook. Das sind die wahren Mächte auf dieser Welt, die mehr über uns wissen als die NSA. Diese Info hat WmdW auf seinem i-Pad von Apple abgerufen, der wertvollsten Firma aller Zeiten.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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