Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Aus Putin und dem Papst schlau werden, Abbas deuten, Abschied nehmen von Karasek - Josef Joffe über einige Themen dieser Tage.

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Josef Joffe
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Russland bombt jetzt kräftig in Syrien: Auf wen zielen die Raketen?

Auf die Anti-Assad-Milizen, bestimmt nicht auf Regimetruppen. Wenn die russischen Jets doch wenigstens auf die Terrorbrigaden Isis und Al Nusra schössen! Die Berichte besagen aber, dass die Russen im Westen Syriens bombardieren, weit weg von den Bastionen der Isis. John Kerry meldet, dass just die Gruppen im Visier sind, die von Amerika unterstützt werden. Putin gibt den Erdogan, der auch auf dem Herd des Anti-Isis-Kampfes sein eigenes Süppchen kocht, nämlich den Krieg gegen die kurdischen Milizen.

Palästinenserführer Abbas erklärt das Oslo-Abkommen für erledigt. War es das nicht ohnehin schon?

Abbas ist nicht zu beneiden. Er hat sich zum letzten Mal im Jahr 2005 dem Wahlvolk gestellt; seitdem regiert er wie ein klassischer arabischer Potentat. Umso mehr muss er routinemäßig den starken Mann hervorkehren. Fast ebenso oft hat er mit der Kündigung von „Oslo“ gedroht. Wenn er’s wirklich ernst meinte, müsste er die Palästinenserbehörde auflösen, die Westbank in toto an Israel zurückgeben und auf just jene Zusammenarbeit mit Israels Armee verzichten, die sein Überleben garantiert. Diese Bombe ist ein Blindgänger. Aber sie hat bewirkt, dass Israel abermals direkte Verhandlungen anbietet, die Abbas abermals verweigern wird.

Der Papst empfängt eine homophobe Standesbeamtin: Werden Sie noch schlau aus dem Pontifex?

Vorsicht beim Wort „homophob“. Besagte Kim Davis ist eine hochgläubige Katholikin, die ihre Bibel – und deren Ächtung der Homosexualität – ernst nimmt. Das schätzen wir nicht, aber Bibeltreue ist noch kein Beweis für Wahnsinn, wie es die Silbe „phob“ suggeriert. Der Papst muss auf dem Grat zwischen Orthodoxie und Reform wandern. Deshalb hat er ebenso die Ehe-Annullierung erleichtert und seinen Priestern erlaubt, gnädiger mit Abtreibung umzugehen. So läuft die reale Politik auch im Gottesbereich: ein bisschen von diesem, ein bisschen von jenem.

Ein Wort zu Hellmuth Karasek ...

WmdW war seit Jahrzehnten mit Hellmuth K. befreundet und mit ihm zusammen aufgetreten. Das befördert Befangenheit. Ansonsten: K. war einer der ganz Großen in unserem Gewerbe, ein Mann, der mit Witz und Ironie auf der gesamten Kulturklaviatur spielen konnte. Er beherrschte den Literaturkanon, konnte aber auch in Quizshows und Fressmagazinen funkeln. Der brillante Filmkritiker war zugleich ein begnadeter Entertainer, was ihm die weniger begabten Kollegen, die lieber dozieren als amüsieren, verübelt haben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Malte Lehming.

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