Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Monsieur Hollande Glück wünschen, moralisch Weltmacht sein und auf Clinton II warten.

Josef Joffe
Josef JoffeFoto: Tsp

Frankreich will eine breite Front gegen den IS schmieden, auch mit Putin und Assad: Kann das gut gehen?
„Breite Front“ ist gut, bloß sind Assad und Putin das Problem, nicht die Lösung. Assad wirft Fassbomben auf das eigene Volk, und Putin bombardiert nicht den IS, sondern Anti-Assad-Rebellen. Hollande hält Assad für das geringere Übel und gibt sich dem Traum hin, dass mit dessen Verbleib alle, alle auf den IS losgehen. Das Interesse Moskaus und Teherans aber ist es, die Anti-Assad-Kräfte zu liquidieren, um eine sichere Basis am Mittelmeer zu kriegen. Beide sehen auch im IS den Sekundär-Feind, der hauptsächlich den Westen terrorisiert. Bonne chance, Monsieur Hollande.

Die Deutschen schicken Tornados, wollen aber nicht kämpfen: Alles wie immer?
Immerhin schicken wir ältliche Tornados, um aufzuklären – mehr als in Libyen. Aber dank Merkel kein Problem, weil wir den IS gar nicht bekämpfen müssen, der mit Assad die Flüchtlings-Millionen nach Europa treibt. Denn: „Wir schaffen das“, wie viele auch kommen. Außerdem: Lasst doch die Amis, Franzosen, Saudis, Russen bombardieren; da gibt’s doch kaum mehr Platz am Himmel. Wir Deutschen halten die Flagge der Friedfertigkeit hoch, was uns zur moralischen Weltmacht erhebt und, noch besser, keine Opfer abverlangt. Dieses Verdikt gilt bis zu einem IS-Angriff auf den Magnet Club in Kreuzberg (das Gegenstück zum Pariser Bataclan). Richtig böse werden wir, wenn die Paris-Bar oder Borchardt getroffen wird. Das geht gar nicht!

Klimagipfel in Paris: Wer blockiert diesmal eine Einigung?
So etwa alle 200 Teilnehmer, die sich nicht auf bindende Limits für Treibhausgase verpflichten wollen, um so den globalen Ausstoß zu bremsen. Sie beharren auf freiwilligen Grenzen, um die Kosten für die eigene Wirtschaft niederzuhalten. Das wäre aber zu wenig, um den Temperaturanstieg zu stoppen. Die „New York Times“: „Das ist wie der Patient, dem der Arzt sagt, er müsse 50 Pfund abspecken, um sein Leben zu retten. Und der meldet stolz, er habe auf Fritten verzichtet, nicht aber auf Torten und Sahne-Eis.“

Ein (letztes) Wort zum US-Wahlkampf ...
Es sind noch 49 Wochen bis zum Wahltag, und 24 Stunden sind bekanntlich eine Ewigkeit in der Politik. Heute aber würde WmdW auf Clinton wetten. In den Umfragen liegt sie zwei bis fünf Punkte vor Bush, Trump und Carson. Unter den Republikanern wird sie nur von Marco Rubio überholt, dem jungen Senator aus Florida. Leider verpönt ihn die eigene Partei. Die will die Außenseiter, den absonderlichen Arzt Carson und den Stand-up-Comedian Trump, die weit vor Rubio in der Gunst der Republikaner rangieren. Also: Die mögen den Moderaten mit den besten Chancen nicht. Ergo: Clinton II.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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