Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Zu viel Aktionismus verbreiten, den Brexit abwenden und Lara Croft vertrauen

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Seehofer besucht Putin, Steinmeier Teheran und Riad. Wer hat mehr erreicht?

Wo ist es kälter – draußen oder in der Nacht? Trotzdem eine gute Frage, weil sie auf einen vertrauten gemeinsamen Reflex verweist: Außenpolitik als Innenpolitik. Der Bajuware wollte Merkel, die den Neo-Imperialisten Putin nicht schätzt, weiter schwächen. Getroffen hat er die Staatsräson. Bismarck hätte zur Reichsexekution gegen die Bayern gegriffen, wenn die seine Außenpolitik sabotiert hätten. Er hätte auch den „ehrlichen Makler“ nur vom Hochsitz der Macht aus gegeben. Die hat Berlin nicht. Steinmeier setzt wie alle Außenminister (auch John Kerry) auf Aktionismus, freundliche Bilder und gute Worte. Natürlich konnte er zwischen den Todfeinden Riad und Teheran nicht vermitteln. Vielmehr setzt man mit solcher „Mission: Impossible“ sein Prestige aufs Spiel, ein knappes Gut.

 

Julian Assange sitzt in London fest, Edward Snowden in Moskau. Was bleibt von ihrem Wirken?

Der Schaden, den sie angerichtet haben: Misstrauen und Zwietracht unter den westlichen Verbündeten, eine Schwächung, die Moskau zugute kommt. Sehr wohl muss die Öffentlichkeit einen scharfen Blick auf die Geheimdienste werfen. Aber WmdW wäre es lieber, wenn das die Parlamente, die das Ganze im Auge behalten, tun und nicht selbsterwählte Wächter, die eine eigene politische Agenda haben. Aus Moskau wird noch mehr kommen. Denn Putin dient den eigenen Machtinteressen, nicht dem Guten, Edlen und Wahren.

 

Die EU hat Cameron ein Angebot gemacht. Ist damit der Brexit vom Tisch?

Sollte er sein, weil die EU ihm im Prinzip alles angeboten hat, was er braucht, um das Referendum im Juni abzuwehren. Vor allem den Hauptpreis: anders als für die eigenen Leute keine Lohnsubventionen für EU-Bürger, die in Scharen nach England streben. London darf sein Pfund behalten und vom Weg in die „immer engere Union“ abweichen. Schließlich eine „Notbremse“ gegen EU-Beschlüsse, welche die Souveränität der Staaten antasten. Diese Konzessionen liefern scharfe Waffen gegen die „Euroskeptiker“ und „Europhoben“ im Kampf um das Brexit-Referendum. Grundsätzlich: Kein EU-Staat, und schon gar nicht Berlin, will die Briten auf der Insel festnageln.

 

Ein Wort zum Karneval in Zeiten des Terrors...

WmdW hat erleichtert das Foto zweier jungen Frauen wahrgenommen, die sich als schwer bewaffnete „Laura Croft“ verkleidet hatten (mit Spielzeug-Pistolen natürlich). Solche Outfits zu verbieten, wäre ein Sieg für den Terror, dessen Ziel eben Angst, Schrecken und Unterwerfung sind. Überdies erscheinen diese Killer nicht mit dem Dynamit-Bündel vor der Brust. Den würden sie unter der Jecken-Jacke verstecken.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: clk

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