Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Der Türkei die imperiale Politik teuer abkaufen und Trump lieben lernen.

von
Josef Joffe
Josef JoffeFoto: promo

Die Balkanroute schließt sich, in Griechenland stauen sich die Flüchtlinge: Was tun?
Die Geschichte geht eigenwillige Wege, doziert Hegel – oder so ähnlich. Nehmen wir an, die austro-balkanische Anti- Flüchtlingsallianz funktioniert. Dann könnte Berlin seinen Kuchen essen und behalten. Die Bösen vom Balkan schließen die Route, und Berlin kann weiter den moralischen Praeceptor Europae geben. Wir bleiben gut, während die anderen, die wir weidlich beschimpfen, den Strom für uns zurückstauen. Jetzt bleibt nur die Frage: Wer wird zum Parkplatz für die Flüchtlinge, wenn keiner in Europa die Last teilen will? Griechenland, ein scheiternder Staat. Es sei denn … siehe nächste Frage.

Merkel setzt in der Flüchtlingsfrage weiter auf die Türkei. Welchen Preis wird sie dafür zahlen müssen?

Die Türkei hat schon 2,5 Millionen aufgenommen, bombardiert aber die kurdischen Milizen in Syrien und sorgt so für weitere Flüchtlinge. Diese imperiale Politik, die nach innen zielt, lässt sich Erdogan nicht abkaufen, bestimmt nicht für lumpige drei Milliarden – 1200 Euro pro Kopf. Ob 30 Milliarden funktionieren? Hinterher ist man immer schlauer: Der Westen hätte sofort nach Ausbruch der Assad-Massaker eine Schutzzone an der türkischen Grenze einrichten sollen, und zwar bevor die Russen kamen. Die hätte allerdings Truppen und ein Flugverbot erfordert, was Obama nicht wollte und Deutschland schon gar nicht.

Der Super Tuesday naht. Was wäre an einem Präsidenten Trump so schlimm?

WmdW redet sich den anscheinend unvermeidlichen Trump auch schon schön. Also freundet er sich damit an, dass Trump die Grenzen gegen Menschen und Güter (Latinos, Islamis und Importe) schließen und US-Auslandsinvestitionen mit Strafzöllen belegen will. Dass er wie die AfD den Putin schätzt. Dass er den Isolationismus, gelegentlich durch Draufhauen unterbrochen, predigt. Und viermal Bankrott erklärt hat. Eine letzte Hoffnung: dass er bei der Inauguration 2017 verkündet, „vergesst all den Bullshit von gestern, jetzt will ich der Präsident für alle sein“. („Dream on“, sagt der Ami.)

Ein letztes Wort zu Mark Zuckerberg …

Einer, der gut inszeniert durch Berlin joggt, kann kein schlechter Mensch sein. Der hässliche Typ aus „Social Network“ ist zum Wohltäter avanciert. Das ist amerikanische Klassik: der Räuberbaron (Rockefeller, Carnegie), der zurückgibt, indem er Museen, Universitäten und Stiftungen finanziert. In Europa will Z-Mann vor allem die Künstliche-Intelligenz-Forschung alimentieren, was das Gute mit dem Nützlichen verknüpft. Denn das macht Gutwetter im Ringen mit der Politik, die die Macht der Digi-Giganten wie Facebook zurückdrängen will. Ein Schuft, wer sich Schlechtes dabei denkt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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