Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über die Prinzipienlosigkeit von Donald Trump, Obamas Hiroshima-Besuch und Putins Expansionspolitik.

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Josef Joffe
Josef JoffeFoto: Tsp

Bei den Republikanern ist Donald Trump gesetzt. Aber sollten die Demokraten nicht langsam über eine Alternative für Hillary Clinton nachdenken?

Wie das? Sie wird die Kandidatin sein. Sie wird den Bericht des Generalinspektors im Außenministerium überleben. Die Kernaussage lautet, sie habe weder um die Erlaubnis gebeten, noch diese bekommen, einen Privat-Server für ihre E-Mails einzurichten. Das ist kein tödlicher Vorwurf. Gefahr droht ihr von all jenen Diensten (China, Russland, Iran), die ihren Server gehackt haben. Aber die werden nicht Wahlkampf für Trump machen. Wer Verschwörungstheorien schätzt, wird sich allerdings fragen, ob dabei Erkenntnisse herauskamen, mit denen sich eine Präsidentin C. diskreditieren oder erpressen ließe.

Barack Obama in Hiroshima: Keine Entschuldigung für den Massenmord durch Atombomben 1945. Warum nicht?

Da gibt’s viel zu entschuldigen. Fangen wir bei den Japanern an. Nanking 1937, wo die Kaiserliche Armee 300 000 Zivilisten ermordete und zuvor die Frauen vergewaltigte. Manila 1945: 100 000 Filipino-Zivilisten. Solche Greuel waren Routine im japanischen Angriffskrieg gegen China und andere asiatische Länder, der an die 20 Millionen Menschenleben forderte. Die US Army ging damals von bis zu 200 000 toten GIs bei einem konventionellen Sieg gegen Japan aus, weil sie im Inselkampf gelernt hatten, dass die Japaner bis zum letzten Mann kämpfen würden. Die Opfer von Hiroshima und Nagasaki hatten einen unvorstellbar grausamen Vorlauf.

G 7 erneut ohne Russland: Was muss Putin tun, um wieder am Tisch zu sitzen?

Na ja, Putin könnte damit anfangen, die Krim und Donbass-Region zu räumen. Dass die Krim uraltes Besitztum sei, ist eine Legende. Bevor sich Katharina das Land griff, war es 300 Jahre lang ein osmanischer Vasallenstaat. Im eigenen Land müsste Putin eine unabhängige Justiz wiederherstellen, um im G-7-Wirtschaftsklub Handel, Investitionen und freien Kapitalverkehr zu sichern. Realistisch ist das nicht, weil Putin mit seiner Expansionspolitik den Chauvinismus schürt, um so von Verelendung und Repression daheim abzulenken.

Ein Wort zu Amerika ...

Trump ist nun Kandidat. Zieht er geläutert in den Wahlkampf? Gerade hat er die Senatorin Elizabeth Warren bezichtigt, gelogen zu haben, um in Harvard aufgenommen zu werden. Sodann werde er die „totalitäre“ EPA (Umweltschutzbehörde) abschaffen. Ein amerikanisches Sprichwort besagt: „Ein Leopard kann seine dunklen Flecken im Fell nicht loswerden.“ Will sagen: Der Mann ist, wie er polemisiert und agiert. Allerdings ist Trump von unglaublicher Prinzipienlosigkeit. Vielleicht kann er die Flecken doch wegreden.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt gerade in Stanford. Die Fragen stelle Malte Lehming

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