Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Immer Montags im Tagesspiegel: Vier Fragen an "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe. Heute über Angela Merkel, Georgien, Piraten und Amerika.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Angela Merkel präsentiert sich wieder als Miss World. Was bleibt da noch für ihren Außenminister Steinmeier übrig?



Na, was er und Parteichef Müntefering seit Wochen versuchen: die Kanzlerin bei den Wählern madig zu machen, um sie zu demontieren. Das ist nicht einfach, weil a) die Rolle des Wadenbeißers nicht zum seriösen Außenminister passt und b) der deutsche Mensch Kläffen grundsätzlich nicht mag. Dem Angreifer bleibt nichts anderes übrig, als „Hott“ zu schnaufen, wenn Ms. World „Hüh“ sagt. Das ist zu durchsichtig. Die beiden sollten sich lieber wieder vertragen und als Plisch und Plum gemeinsam in den Wahlkampf ziehen.

In Georgien formiert sich der Widerstand gegen Präsident Saakaschwili. Hält Präsident Obama zu ihm?


Vielleicht muss er das gar nicht. Jedenfalls sind am Osterwochenende die Proteste gegen den Präsidenten von 60 000 auf 4000 abgesackt. Natürlich wird Washington Saakaschwili eine Weile stützen. Wenn es nicht funktioniert, wird Obama auch im Zuge der Frontbegradigung mit Russland keine besonderen Anstrengungen machen.

Die Piraten vor Somalia werden immer dreister. Ist das Problem auf See überhaupt zu lösen?

Piraten waren noch nie einfach. Es ist immer die gleiche Geschichte: Weil man die Geiseln nicht opfern will, kann überlegene Militärmacht nur fein dosiert eingesetzt werden. So hat sich die US-Navy lange nicht getraut zu schießen, bevor sie den heldenhaften Captain Phillips befreite. Obama musste persönlich „Feuer frei“ geben.

Ein Wort zu Amerika ...


Hier gab es wie immer kein richtiges Ostern. Karfreitag ist kein Feiertag, und einen Ostermontag gibt es so wenig wie den zweiten Weihnachtstag. Mit Festessen wurde dagegen das jüdische Pessach gefeiert. Die Orthodoxen lesen dabei drei Stunden lang die Geschichte von Pharao und Sinai vor, die kurze Version der Weltlichen besteht aus drei Sätzen: „Sie wollten uns umbringen. Gott hat uns gerettet. Jetzt wird gegessen.“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und berichtet im April aus Stanford, USA. Fragen: fal

Berichtigung: Fälschlicherweise hieß es am vergangenen Montag an dieser Stelle, die G 20 hätten sechs Billionen Dollar für Entwicklungsländer bereitgestellt. Es waren aber sechs Milliarden Dollar.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben