Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Jeden Montag beantwortet "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe hier vier Fragen zur Außenpolitik. Heute über Ahmadinedschad, das konservative Europa, die Uiguren und den deutschen Außenminister.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Der Iran hat gewählt. Wie wichtig ist das Ergebnis für den Weltfrieden?

Zuerst ein Mea culpa. „WmdW“ hatte bis vor kurzem (richtigerweise) doziert, Ahmadinedschad werde die Wahl hoch gewinnen; dies aufgrund von Gesprächen mit Leuten, die etwas von Iran verstehen. Dann, als die Medien immer lauter über Demokratie jubelten, ließ er sich vom Herden-Hype anstecken. Vielleicht schafft’s Mussawi doch? Mit fast 63 % steht A. heute besser da als 2005 (19,5 % in der ersten Runde, 61,7 in der zweiten). Das sollte uns zweierlei lehren: nicht ein paar hübsche Mädchen, die viel Haar zeigen, mit dem demokratischen Umsturz verwechseln – und die Hoffnung nicht zum Vater des Hype machen. Zweitens, nie glauben, dass ein klerikal-autoritäres Regime sich Volkes Stimme beugen werde. Diese Wahl war so manipuliert wie die von 2005. A. ist jetzt voll bestärkt und wird mit Kim Jong-Il weiter als Säule des Weltfriedens fungieren, freilich mit A-Waffen.

Auch Europa hat gewählt. Wie konservative ist der Kontinent?

Das Ergebnis lässt nur den Schluss zu, dass die EU-Völker die Sozen nicht besonders schätzen – dies, weil die sog. konservativen Parteien sozialdemokratisch genug sind, aber wiederum nicht so staats- und schuldengläubig, dass sie noch die letzte Würstchenbude mit Regierungsgarantien retten wollten. Eigentlich ein Rätsel: Wieso sind die EUler, die doch so fest an den vor- und fürsorgenden Staat glauben, in dieser Krise nicht weit nach links gerutscht?

Nur die Uiguren durften nicht wählen, sie sollen nach Palau statt München. Eine Blamage für Deutschland?

Also, wir sind voll für den Rechtsstaat, das weiß doch jeder. Und in einer ähnlichen Situation (3000 Terroropfer) hätten wir nicht Krieg geführt, sondern die UN angerufen. Also wären uns keine Terror-Brigadisten in die Hände gefallen, und wir wären moralisch über alle Zweifel erhaben gewesen. Aber wenigstens einen Uigur hätten wir aufnehmen und durch die Talkshows reichen können. Der hätte uns (rund um die Uhr überwacht) bescheinigen können, wie tolerant und liberal wir sind, und wie verbissen die Amis.

Ein Wort zum Außenminister …

Erstens ist es eine Tragödie, dass die SPD – die anständigste Partei Deutschlands, die gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz und die Zwangsvereinigung mit der SED gestimmt hat – im 25-Prozent-Knast steckt. Zweitens, dass sie einen Kandidaten aufgestellt hat, der ein tüchtiger und sympathischer Kanzleramtschef war, aber beim besten Willen nicht den Brutalo-Gerd geben kann Diese Rolle passt nicht zu dem freundlichen FWS, und das Wahlvolk merkt es. In einer Direktwahl würden 60 Prozent (+7 im Vergleich zum Vormonat) für Merkel stimmen, nur 27 (-7) für den Außenminister …

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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