Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Jeden Montag beantwortet "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe vier Fragen zur deutschen Außenpolitik. Heute über Kritik an den Deutschen, den UN-Chef, Managerbezüge und den deutschen Wahlkampf.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat den Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklaster heftig kritisiert, den die Deutschen gegen die Taliban angefordert hatten. Auftrieb für den Abzug?

Kouchner hat so unbedacht gesprochen, wie die Nato bombardiert hat. Als guter Freund wütet man erst, wenn man die Umstände kennt. Eine kluge Kriegsführung guckt auch erst einmal genau hin, bevor sie „Abwurf frei“ brüllt. Wo Bewaffnete und Zivilisten sich mischen, darf allenfalls nur sehr präzise gebombt werden, besser gar nicht. Die Nato darf nicht Menschen umbringen, die ihre Schutzbefohlenen sind. Das ist eine moralische und politische Niederlage, die den Taliban Auftrieb verschafft.

Halbzeit für UN-Chef Ban Ki Moon. War er eine gute Wahl?

Der Nachfolger wird an Kofi Annan gemessen. Aber im Vergleich zu U Thant, Waldheim, de Cuellar und Boutros- Ghali sieht der Jetzige nicht mehr ganz so schlecht aus. Ihm wird der Bürokratie-Nichtabbau vorgeworfen. Aber die Bürokratie, das sind wir, die 200 Mitglieder, die ihre Leute unterbringen wollen; den Abbau hat auch Annan nicht geschafft. Überhaupt: Gewählt werden Generalsekretäre, die keinen Wind und keinen Ärger machen, die wissen, wie man zwischen den Großmächten und den Blöcken manövriert. Niemandem wehtun, am wenigsten sich selber, ist die Devise eines Sekretärs.

Die G 20 streiten über eine Begrenzung von Managerbezügen. Soll man das überhaupt gesetzlich regeln?

Warum nicht auch bei Chefredakteuren? Manche verdienen mehr als Frau Kanzler und sind nicht für 80 Millionen Menschen verantwortlich. Warum nicht überhaupt alle Einkommen kappen? Die Preise noch dazu, und dann wird die deutsche Wirtschaft richtig florieren, wie einst die DDR. Boni für reelle Gewinner sind in Ordnung. Aber für die Loser, wie jetzt allenthalben geschehen? Das ist obszön. Das heißt, dass der Aufsichtsrat weder rät noch beaufsichtigt, und die AG-Versammlung nicht funktioniert – was bedeutend schwerer zu reparieren ist als das Bonus-Unwesen. Da muss die Unternehmensgesetzgebung reformiert werden, dies aber klug und bedacht. Wie wär’s mit Negativ-Boni bei Verlusten?

Ein Wort zum deutschen Wahlkampf...

Die Medien waren so gelangweilt, dass sie einen Hustenanfall bei den Landtagswahlen als Todesröcheln für SchwarzGelb bzw. die große Koalition gedeutet haben. Tatsächlich haben die Sonderfaktoren (Lafontaine, Althaus) makropolitisch nichts verschoben. Schwarz-Gelb liegt nach wie vor bei plus-minus 50, die SPD bei 23 Prozent. Zwei Drittel lehnen Rot-Rot-Grün ab. Sechs von zehn interessieren sich noch immer nicht für den Wahlkampf. Achtung: Eine knappe Hälfte „weiß nicht“ oder könnte ihre Wahlabsicht noch ändern.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: fal

0 Kommentare

Neuester Kommentar