Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe beantwortet vier Fragen zur Außenpolitik. Heute über den Friedensnobelpreis, Westerwelle als Außenminister, China und die Buchmesse sowied die Großmacht Amerika.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis. Womit hat er das verdient?



Mit seiner Haltung. Den Preis als Weltenretter muss er noch im Konkreten rechtfertigen – so wie seine besten Vorgänger. Norman Borlaug (1970) hat mit seiner „Grünen Revolution“ buchstäblich die Dritte Welt gerettet. Willy Brandt (1971) hat mit seiner Ostpolitik einen großen Schritt zur Befriedung Europas getan. Menachem Begin und Anwar Sadat (1978) hatten einen Frieden zwischen Israel und Ägypten geschlossen, der sich trotz zweier Kriege im Libanon und einem in Gaza seit 30 Jahren bewährt. Michail Gorbatschow (1990) hat den Kalten Krieg beendet. Henry Kissinger und Le Duc Tho (1973) konnten zumindest so tun, als hätten sie Vietnam befriedet, obwohl der Vietnamese sehr wohl wusste, dass dies ein Eroberungsfrieden sein würde, und deshalb den Preis nicht annahm. Obamas Preis ist eine Anzahlung auf die Zukunft, die Raten muss er selber entrichten.

Nur 28 Prozent der Deutschen wollen Guido Westerwelle als Außenminister. Soll er den Job trotzdem machen?


Genscher konnte auch nicht Englisch – wie alle Außenminister außer Willy Brandt und Joschka Fischer. Aber vielleicht will ihn das Volk nicht, weil es sich von der FDP Wichtigeres als „I come from the Sourland“ erhofft: etwas weniger Staat, Sozialdemokratismus und Steuern. Der Mann sollte deshalb WirFinMin werden (also „Superminister“ für Wirtschaft und Finanzen). Der wäre viel mächtiger als der Außenamtschef, aber nicht so gesegnet mit Fototerminen. Außerdem mag das Volk selten Finanzminister. Also geht Westerwelle ins AA: viel Reisen, wenig Reibung.

Um das diesjährige Gastland auf der Frankfurter Buchmesse kam es schon im Vorfeld zum Streit. Sehen wir China zu kritisch?

Sieht man seine Schwiegermutter zu kritisch? Seinen Boss? Die Frage ist zu suggestiv. Man sieht ein Land nicht zu kritisch, das so nackt die Muskeln spielen ließ, um den Messezar zu erpressen. Ein so großes Land sollte nicht so massiv auf zwei so kleine Dissidenten eindreschen. Das ist uncool und besorgniserregend. Was macht Beijing, wenn’s ans Eingemachte geht? Erst reich, dann rüpelig? Wilhelm II. war 19. Jahrhundert, Möchtegern-Großmächte müssen auch Großmut zeigen können.

Ein Wort zu Amerika ...

Diese echte Großmacht kümmert sich nicht um den Verfall ihrer Währung, die seit Amtsantritt Obamas um fast 13 Prozent abgestürzt ist. Das ist gut für Amerika, dessen Handelsbilanzdefizit sich seit Mitte ’08 halbiert hat. Aber nicht gut für den Rest der Welt. Einmal, weil so in schlechten Zeiten die Nachfrage sinkt. Zum Zweiten ist derlei Abwertung ein stummer Schuldenkiller, weil die USA mit Dollar zurückzahlen können, die weniger wert sind als bei der Schuldenaufnahme.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University. Fragen: mos.

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