Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Jeden Montag beantwortet "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe hier vier Fragen zur Außenpolitik. Heute über Obama, Kundus, Minarette und Boni für Topmanager.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis und sagt, Krieg sei manchmal nötig. Wie passt das zusammen?



Wie bei den alten Römern, zum Beispiel: Si vis pacem, para bellum – wer den Frieden will, muss bereit sein, Krieg zu führen. Der reine Pazifist glaubt, dass kein Krieg gerechtfertigt sei und würde deshalb dem Frieden jeden anderen Wert unterordnen: Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung, die Abwehr von „ethnischer Säuberung“. Bei näherer Betrachtung ist das absurd und unmoralisch. Wir sollen keinen Finger rühren, um das Abschlachten von anderen zu verhindern? Obama sagt das Offenkundige: Manchmal ist Krieg notwendig und gerechtfertigt, weil Gewalt, Gier und Machtstreben geradezu anthropologische Konstanten sind. Oder ganz praktisch: Amerika ist nicht Norwegen, sondern garantiert dessen Sicherheit in der Nato. Wenn Oslo so gefährdet wäre wie New York, würden Norweger nicht ganz so friedfertig sein.

Nach allem, was wir heute wissen: War der Luftangriff in Kundus auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge angemessen?

„Angemessen“ ist eine Frage der Uhrzeit; hinterher weiß man mehr als vorher. Wenn der Mensch allwissend wäre, wäre er, erstens, Gott und zweitens fehlerfrei. Er wüsste genau, was ist und was kommen wird. Im Kampf weiß man immer zu wenig, muss aber trotzdem handeln – und schnell, im „Nebel des Krieges“. Deshalb möge sich niemand über Oberst Klein erheben. Was man aber von Armee und Führung fordern muss, ist die doppelte Aufklärung: erst vor der Entscheidung, dann danach. Hier haben Truppe und Ministerium es offenbar an Sorgfalt (vorher) und Verantwortung (hinterher) fehlen lassen.

Minarette und kein Ende: Ist der Islam in Europa gefährlicher als von der offiziellen Politik zugestanden wird?

Minarett als Artilleriegeschütz? Das ist Unsinn. Minarett als Zielscheibe von allerlei Islam-Ängsten? Die Deutschen, wenn man den schnellen Umfragen glauben darf, sind gespalten: Die einen so, die anderen so – etwa in der Waage, aber mit leichtem Ausschlag für Toleranz. Merke: Richtige Terroristen bauen keine Minarette, sondern Bomben. Die sind gefährlicher als Moschee-Türme.

Ein Wort zu Amerika ...

Um das Land zu besänftigen, will Goldman Sachs dieses Jahr keine Boni auszahlen, trotz Rekordgewinn. Na ja, nicht ganz. Die Top-Leute kriegen dafür Aktien, die sie fünf Jahre lang halten müssen. Die anderen 31 000 sollen im kommenden Jahr mit Cash belohnt werden. Geld ist wie Wasser: Es fließt an allen Hindernissen vorbei. Das werden auch Sarkozy und Brown noch merken, die Banker-Einkommen wegsteuern wollen. Die Finanzakrobaten, die so kreativ die Ursachen des Crash aufgetürmt haben, sind schlauer als die Regulatoren.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt zurzeit an der Stanford University. Fragen: fal

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