Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

„Zeit“-Herausgeber Josef Joffe über den G-20-Gipfel, die Entlassung McChrystals und den Reiseplan unseres Außenminister.

Barack Obama feuert seinen Afghanistan-Kommandeur, General McChrystal. War das vorschnell oder führungsstark?

Dies war kein Fall von Insubordination à la Douglas MacArthur, der Befehle missachtet und Trumans Kriegführung in Korea öffentlich attackiert hatte. Deshalb wurde er zu Recht gefeuert. Dass McChrystal den Reporter eines Antikrieg-Magazins wie „Rolling Stone“ so dicht an seine Person und an seinen Führungskreis herangelassen, dann Abfälliges über den Präsidenten und dessen Vize abgesondert hatte, zeugt von höchster politischer Torheit. Der General ist einer der besten, aber kein Diplomat. Und Afghanistan ist vor allem ein politischer Krieg. Der Nachfolger, David Petraeus, beherrscht beide Metiers und ist deshalb eine ausgezeichnete Wahl. Aber machen wir uns nichts vor: Dieser Rausschmiss beseitigt die tiefen Konflikte über die Kriegführung nicht; er hat sie bloß offengelegt.

Sparen oder investieren? Diese Frage entzweit erneut den G-20-Gipfel. Wer ist diesmal isoliert – Obama (investieren) oder Merkel (sparen)?

Obama, weil sich der Wirtschaftswind gedreht hat. Zu Beginn der Finanzkrise waren alle Keynesianer und haben gewaltige Defizite/Schulden in Kauf genommen. Inzwischen hat Merkel die Europäer hinter sich: Sarkozy, Cameron, die Pleite-Staaten von Portugal bis Griechenland – sie alle haben einen strengen Sparkurs eingeschlagen. Sie haben recht. Regierungen können nicht nachhaltiges Wachstum mit Geld finanzieren, das sie nicht haben. Das EU-Wahlvolk hat das verstanden; in den Novemberwahlen werden die Amerikaner ihr Urteil sprechen. Es könnte ähnlich ausfallen wie in Europa.

Israel lockert die Gaza-Blockade. Haben Mankell und der Rest der „Friedensflotte“ ihr Ziel erreicht?

Der Schwede hat kaum Frieden im Sinn, hält er doch die Gründung Israels für einen unrechtmäßigen Akt. Die Lockerung war richtig, weil die Blockade in der bisherigen Form ihr Ziel nicht erreicht hat: das Hamas-Regime zugunsten der weggeputschten Abbas-Führung zu schwächen oder gar zu stürzen (was auch im Sinne der EU und USA gewesen ist). Die Frage ist nun, ob der Sieg der Hamas und die Niederlage der Israelis die politische Blockierung lockern, also beide Seiten verhandlungsbereiter machen wird. In Israel zeigt der Schock jedenfalls Früchte.

Ein Wort zum Außenminister ...

Der bescheinigt den Israelis, dass sie einen „Politikwechsel in Sachen Gaza eingeleitet“ hätten. Sie haben Guido W. und sechs EU-Außenminister zum Besuch des Streifens eingeladen, was er annehmen will: Das sei eine „sehr gute Entwicklung“. Solches darf man auch „in Sachen Westerwelle“ sagen, der sich nach langer Pause wieder seinem Geschäft widmet, der Außenpolitik.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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