Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über das Jahr 2016 und ein erstes Wort über 2017.

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Donald Trump auf seiner 'USA Thank You Tour 2016'.
Donald Trump auf seiner 'USA Thank You Tour 2016'.Foto: dpa

Schauen wir zurück auf 2016. Was war das wichtigste Ereignis?

Die Wahl des Donald Trump, eine Revolution: der Alleinunterhalter, der die Kameras auf sich zieht, und damit Wählerstimmen. „All the world is a stage“, schrieb Shakespeare und meinte damit die „Bretter, die die Welt bedeuten“. Trump twittert, wo andere Aktennotizen abarbeiten. Wer will schon etwas von Renten und Steuern hören, wenn er Clownerien und Boshaftigkeiten genießen kann? Der Theaterkünstler Trump hat Politik wieder interessant gemacht, was WmdW an den schrecklichen chinesischen Fluch erinnert: „Mögest du in interessanten Zeiten leben.“

...und das überflüssigste?

Machen wir daraus die Affären der Star-Fußballer, die sich von ihren Spusis trennen, um mit einer anderen ins nächste Stadion zu ziehen. Der gelehrte Beobachter, der regelmäßig „Bild“ und „Bunte“ liest, macht schon wieder einen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ aus. Früher hängten wir uns an Royals, charismatische Politiker oder deutsche Filmstars wie Romy Schneider. Heute müssen Kicker herhalten. Sie sind märchenhaft reich, kriegen die schönsten Mädchen und glänzen im Ausland. Was man von unseren Politikern (keine Namen) nicht sagen kann. Früher fürchteten die Franzosen die Wehrmacht, heute „la Mannschaft“. Was einen zivilisatorischen Fortschritt darstellt, aber mit geringem Glamourfaktor. Ein Land, das keine echten Stars hervorbringt, muss sich mit „DSDS“ begnügen. Und Fußballern. Sport ist das neue Showbusiness.

...und das schönste?

Natürlich Miss World 2016, die schönste Frau der Welt. Sie heißt Stephanie del Valle und kommt aus Puerto Rico, gerade mal 19 Jahre alt und studiert Kommunikation, das härteste Fach. Sie ist die zweite Miss World, die aus Puerto Rico kommt. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit. Denn das Land exportiert sonst nur Arbeitslose. Der „51. Staat“ der USA steckt seit zehn Jahren in der Rezession und kann seine Schulden nicht bezahlen. Früher lebte Puerto Rico davon, dass US-Firmen dort keine Steuern auf ihre Profite zahlen mussten. Dann fiel die Guillotine, seitdem kann es nur noch mit wunderschönen Stränden und ebensolchen Frauen punkten.

Ein erstes Wort zu 2017...

WmdW kann sich noch an die alten TV-Sendungen erinnern, als Journalisten zum Jahresende um ihre Weissagungen gebeten wurden. Die wurden ihnen ein Jahr später unter die Nase gerieben. Deshalb kein Wort von WmdW. Bis auf: 2017 wird garantiert 365 Tage haben. In Frankreich wird gewählt, in Deutschland ebenfalls. Die Regierungschefs werden sich 27 Mal auf dem Gipfel treffen. Bayern bleibt in der Bundesliga. Sigmar Gabriel wird abnehmen, hat er sich doch mutmaßlich den Magen verkleinern lassen. Das heißt: Er tritt an.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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