Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe wundert sich über Trumps Protektionismus, rätselt über Mrs. Maybe und wartet auf Merkels Party.

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Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit". Foto: Tsp
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: Tsp

Ford baut kein neues Werk in Mexiko, aber eines in Michigan. Ein realpolitischer Erfolg von Trumps Twitteritis?

Der Mann meint’s wirklich ernst mit Protektionismus. Nach Ford und GM ist sein jüngstes Opfer Toyota, das seine Corollas für die USA in Mexiko bauen will. Sofort signalisierte der japanische Gigant Unterwerfung, um Strafzölle zu vermeiden. Will Trump auch BMW, Nissan, Kia und Daimler erpressen, die in Mexiko bauen oder es planen? Trump kapiert die weltweit verflochtene Autoindustrie nicht, zumal bei der Zulieferung. 56 Prozent der Teile, die in US-Autos verbaut werden, stammen aus dem Ausland. Zerreißt Trump auch diese Kette, werden diese Kfz teurer und weniger wettbewerbsfähig. Der US-Arbeiter wird davon nicht profitieren. Protektionismus ist Verarmung.

Der britische EU-Botschafter hat hingeschmissen, weil seine Regierung keine Ahnung habe. Gut für die Rest-EU?

Schlecht vor allem für England. Dass Sir Ivan Rogers jetzt hingeworfen hat, zeigt, wie wenig Mrs. May EU-Expertise schätzt. Er kennt die Brüsseler Mechanik wie kein anderer Brite und bescheinigt der Regierung Planlosigkeit. „Mrs. Maybe“ entpuppt sich als Chefin ohne Kiel und Kompass. Man erblickt keinen Kurs, aber umso mehr Wenden. Die coolen Briten glänzen mit Chaos, und das drei Monate, bevor London die Brexit- Karte zieht. Kreuzen ist okay, wenn man weiß, wohin man will. Mrs. Maybe setzt auf Driften. Im engen Ärmelkanal verheißt das Havarie.

Apple hat auf Pekings Weisung die „New-York-Times“-App in China gestrichen. Vorschnell eingeknickt?

Dies zeigt abermals, wie falsch die Marx-These ist, wonach der Staat Erfüllungsgehilfe des Kapitalismus sei. Wo’s um Kohle geht, knicken die Konzerne ein – wie es überhaupt auffällt, dass die längst keine politische Stellung mehr beziehen, auch nicht in Deutschland. Man könnte ja Kunden verprellen. Der Umgang mit der „Times“ zeigt überdies, wie es die Staatsmacht mit der Pressefreiheit hält. Den Zugang zur NYT-Webseite hat Peking schon 2012 blockiert, nachdem das Blatt über die Bereicherung des Regimes und ihrer Familien berichtet hatte. Google und Facebook sind auch gesperrt. So viel zur unaufhaltsamen Macht der digitalen und sozialen Medien.

Ein Wort zu Obamas Abschiedspartys...

Warum haben wir die eigentlich nicht in D? Wenn Merkel so lange regiert, gibt’s keine Anlässe. Aber wenn mal ein anderer Kanzler ansteht, wär’s doch schön, wenn sie bei Trank und Tanz ausbreiten könnte, warum sie alles richtig gemacht habe – so wie jetzt Obama. Die Deutschen behandeln ihre Ex-Chefs nicht gut; aus dem Amt, aus dem Sinn. Der arme Schröder musste Trost bei Putin finden, dem er hernach – indirekt – als Gas-Manager diente. Ganz früher haben wir dem Bismarck Denkmäler gebaut.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Fabian Leber

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