Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Josef Joffe über die Chancen von einer Partei rechts der Union.

Josef Joffe
Josef Joffe

Angedrohte Koranverbrennung: Wieso hat ein unbekannter Pfarrer aus Florida so viel Aufmerksamkeit bekommen?

Erstens, weil der geplante „Werbegag“ (Obama) wirklich eine maximale Beleidigung war; stellen wir uns vor, jemand will die Tora oder das Neue Testament verbrennen – die zentralen Dokumente des jüdischen und christlichen Glaubens. Zweitens, weil unsere radikalen islamischen Freunde nur auf solche Gelegenheit warten, um eine Machtdemonstration zu inszenieren. Fazit: Merkel hatte absolut recht, die Meinungsfreiheit des Mohammed-Karikaturisten Westergaard zu verteidigen; die gehört zu unserem „Eingemachten“. Aber das Heilige Buch des Islam? Dieser Pastor gehört in die Gerichtspsychiatrie.

Belgien und die Niederlande haben seit Wochen keine Regierungen. Brauchen die überhaupt eine?

Belgien braucht eigentlich drei Regierungen, je eine für Flandern, Wallonien und Brüssel. Die Niederlande haben im 17. und 18. Jahrhundert sehr gut mit einer Privatregierung namens „Ostindien-Kompanie“ gelebt. Die durfte Krieg führen, Festungen bauen, Land erwerben – und besaß eine Flotte von 4700 Schiffen. „Peter Stuyvesant“ ist heute eine Zigarette, weiland herrschte er über das heutige Manhattan. Italien braucht auch keine Regierung, nur einen Staatsschauspieler namens Berlusconi. Wir outsourcen inzwischen so vieles. Warum nicht auch das Regieren?

Steinbach, Sarrazin, Stadtkewitz: Ist Deutschland reif für eine Partei rechts von der CDU?

Nein. Welches Programm hätte sie denn feilzubieten? Weniger Steuern und weniger Staat? Damit ist die FDP schon baden gegangen. Nationalismus? Damit haben die Deutschen keine guten Erfahrungen gemacht, mit dem Gegenteil – Integration und Gemeinschaft – sehr wohl. Ressentimentpflege? Die zieht nicht einmal bei den Nachfahren der neun Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen. Kinder, Kirche, Küche? Die BDM-Mädel von einst sind nur noch in alten Ufa-Filmen zu sehen. Deren Enkelinnen wollen kein Mutterkreuz, sondern Kita, Prada und Karriere. Wer von rechts träumt, muss noch einmal Heinrich Manns „Untertan“ lesen, um zu begreifen, wie sehr sich dieses Land verändert hat.

Ein Wort zum Außenminister …

„WmdW“ träumt vom großen Kabinettsrevirement: Guido W. als Finanzminister, von der Leyen als Außenministerin. Denn die FDP hat immer in den Wirtschaftsressorts geglänzt; Steuersenkung und -vereinfachung bleiben im Programm. Von der Leyen hat das strahlendere Lächeln und ein Händchen für PR. Mit ihr würde Deutschland im Ausland noch besser aussehen als ohnehin schon. Sarrazin wird nach dem SPD-Ausschluss Arbeitsminister. Der wird den Faulstricken Beine machen – indem er sie z. B. lehrt, wie man Bestseller schreibt, etwa „Hartz IV schafft sich ab“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mos.

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