Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe begreift die EU als Patchworkfamilie, wohnt mit den Briten im selben Haus und spielt mit "Siggi Pop".

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in Valletta (Malta) während des EU-Gipfels mit Theresa May.
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in Valletta (Malta) während des EU-Gipfels mit Theresa May.Foto: dpa

Merkel nach dem EU-Gipfel. Hat die Chefin noch alles im Griff?

Wenn nicht sie, wer sonst? Hollande? Wer immer gerade in Rom regiert? Wie Adenauer dozierte: „Sie müssen die Leute so nehmen, wie sie sind. Andere gibt es nicht.“ Merkel setzt nun auf ein Europa der „verschiedenen Geschwindigkeiten“ – einen uralten Slogan. Sozusagen die EU als Patchwork-Familie. WmdW, den Ökonomen hervorkehrend, würde schon mal die Eurozone zerlegen: hier Club Med, das am zu hohen Euro leidet, dort Club Nord mit einem zu niedrigen, der D märchenhafte Überschüsse verschafft. Der Euro ist ein sub-optimales Währungssystem. Freilich wird Berlin den Teufel tun und die Eurozone zweiteilen. Solche „verschiedene Geschwindigkeiten“ dann doch nicht.

Theresa May will eine „neue strategische Partnerschaft“ mit der EU. Können Geschiedene Freunde bleiben?

Im realen Leben ist das rar. Grundsätzlich: Hinterher stehen beide – krass ökonomisch gesehen – stets schlechter da: zwei Wohnungen, der Ex-Gatte muss zahlen, die Frau muss mit niedrigerem Lebensstandard zurechtkommen. Dann: Wo neue Partner finden? In Amerika legt Trump die Axt an den Freihandel, der den Briten Ersatz für die EU bieten könnte. Gerade bei den Dienstleistungen, einer Stärke der Briten, schotten sich Giganten wie Indien und China besonders ab. Die EU bleibt die erste Adresse, und sie ist mit GB verflochten. Also: zwei Wohnungen, aber am besten im selben Haus und auf demselben Flur.

Donald Trump ist jetzt doch streng mit Israel: Warum?

Warum sollte er die Israelis nicht genauso verwirren wie die anderen Verbündeten. Dass neue Siedlungen „nicht hilfreich“ seien, ist die Überraschung der Woche. Nun will Netanjahu am 15. Februar in Washington herausfinden, was Sache ist. Für Jerusalem sei das kein „U-Turn“, aber „offensichtlich auf der US-Agenda“. Inzwischen hat Trump andere Sorgen, hat doch Iran mit großangelegten Manövern auf die neuen Sanktionen reagiert. Dennoch: Netanjahu wird es mit Trump nicht so einfach haben, wie er geglaubt haben mag.

Ein erstes Wort zu Sigmar Gabriel als Außenminister...

„Siggi Pop“, wie sie den weiland SPD- Beauftragten für Unterhaltungskultur einmal nannten, ist im Stundentakt zum Chefdiplomaten herangewachsen. Vergessen sind die Worte des SPD-Vorsitzenden, der Trump als „Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen“ tituliert hat. Jetzt findet er den Kollegen Tillerson schon mal gut. Und „ganz so schlimm wird es nicht kommen.“ Und „wir wollen mit ausgestreckter Hand auf die USA zugehen“. Wo man steht, hängt davon ab, wo man sitzt. Und so muss es sein in der Diplomatie: das Gemeinsame plakatieren, die Konflikte leise spielen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen as

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