Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über den Türkei-Streit, die Probleme der EU, Trump und die Royals.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: Promo

Minister Gabriel schärft die Messer: "Reisehinweis" für die Türkei! Antalya ade?

Antalya ist sowieso überfüllt. Und besser, die Deutschen urlauben auf Norderney und in Garmisch (oder am Müggelsee). Das stärkt den Binnenkonsum und besänftigt das Ausland, das uns zu große Überschüsse vorwirft. Weil’s hier andauernd regnet, sinkt das Hautkrebsrisiko. "Im Frühtau zu Berge" ist besser, als sich mit Raki volllaufen zu lassen, und die größten Döner gibt’s am Berliner Hauptbahnhof. Dann in der Bibel "Prediger" lesen, wo "alles seine Zeit hat", also auch Erdogan. Inzwischen verleihen wir ihm und Trump den Preis für "Unterhaltsamster Serienschurke". Und hoffen, dass wir die Zeit halbwegs überstehen.

Brexit, Polen, Euro: In der EU häufen sich die Probleme. Wird es Zeit, dass Deutschland seine Mitgliedschaft kündigt?

Das ist so wahrscheinlich wie ein Pinguin am Nordpol. Was aber im kalten Licht des Realismus Sinn ergäbe, ist der Austritt aus der Euro-Zone, wo D und der Club Med nicht zusammen passen. Für F, I, GR ist der Euro zu teuer, für D zu billig. Ökonomisch vernünftig war und wäre der informelle D-Mark-Block (D, Skandinavien, Benelux, Schweiz und die Ösis). Die ergaben vor dem Euro einen "optimalen Währungsraum" und folgten dem Auf und Ab der D-Mark. Alle im Gespann. Die Deutschen waren der Boss, ohne für die Schulden anderer bürgen zu müssen. Ökonomische ist aber nicht gleich politische Logik.

Trump gegen Sessions gegen Trump – wer sägt hier an wessen Ast?

Wieder Trump vom Feinsten: Der Chef motzt gegen den Justizminister, den er selber ernannt hat. Dessen Unterling hat wiederum den Sonderermittler Mueller in der Russland-Affäre ernannt, was nun laut Trump nie hätte geschehen dürfen. Denn: "Ich habe nichts getan." Es reckt sich das Gespenst von Watergate, wo der Justizminister und dessen Vize weiland zurücktraten, weil sie sich weigerten, den Sonderermittler zu schassen. Das riecht nach "Behinderung der Justiz", die Nixon zum Verhängnis wurde. Angeblich denkt Trump schon über die Begnadigung von Trump Jr. und Schwiegersohn Kushner nach. Und über seine eigene! Bizarrer geht’s nicht. WmdW schreibt an der Serie "House of Shards" – "Das Scherbenhaus".

Ein letztes Wort zu William und Kate ...

Die britischen Royals lehren uns, was uns nach dem Brexit abgehen wird. In Wahrheit sind alle Demokratien geradezu DNA-mäßig Royalisten. Sie sehnen sich nach dem Glanz und dem Über-der-Politik-Schweben der Monarchen. Fußballstars kriegen die Würde nicht hin, bürgerliche Präsidenten nicht die Aura. God save the Queen, dann Charles, dann Will und Kate. Und deren Brut George (3) und Charlotte (2).

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