Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe will Demokratie-Export absagen, Inspektor Clouseau ehren und Frauen verstehen.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: Tsp

Die USA wollen in Afghanistan auf "Nation Building" verzichten. Eine Bankrotterklärung für den Demokratie-Export?

Diese Frage kommt acht Jahre zu spät. Den Demokratie-Export hat nicht der übelbeleumdete Trump, sondern der gute Obama abgesagt. Sein Mantra: "It’s time for a little nation-building at home." Dann begann der weltweite Rückzug amerikanischer Macht parallel zum Aufstieg der Autoritären. O. und T. haben recht: Präzisionswaffen können zerstören, nicht aufbauen – schon gar keine Demokratie in Gegenden, die von Sekten, Stämmen und Warlords zerrissen werden. Europa hat Jahrhunderte gebraucht, um die Demokratie einzupflanzen.

Die Türkei lässt über Interpol einen Deutschen in Spanien verhaften. Inspektor Clouseau – völlig gaga?

Wieso? Clouseau war zwar inkompetent, aber letztlich liebenswert, was man von Erdogan nicht sagen kann. Interpol hat derzeit eine schlechte Presse. Umso mehr gilt es, die Fakten zu betonen. Es ist nicht so, dass ein Mitgliedstaat einfach die Festnahme im Ausland dekretieren kann. Die Entscheidung liegt immer beim jeweiligen Land. Es muss den Gesuchten zur Festnahme ausschreiben, dann verhaften. Polizeiliche Maßnahmen wie Arrest und Auslieferung unterliegen der Souveränität des betreffenden Staates, in diesem Fall Spaniens. Die Interpol ist keine Weltpolizei, wie es gern geglaubt wird.

Wegen Betrug haben Thailands Ex-Regentin und Südkoreas Ex-Präsidentin Ärger mit der Justiz. Das zum Thema "Frauen sind anders"?

Gott sei Dank sind sie anders, sonst würden wir sie nicht heiraten. An der Vorstellung, dass sie uns als bessere Menschen eine bessere Welt verschaffen würden, müssen wir noch arbeiten. Macht macht auch Frauen zu Machos. Elisabeth I., Maggie Thatcher, Indira Gandhi, Golda Meir haben gern Krieg geführt. Marine Le Pen ist nicht zum Kuscheln, Theresa May kein Churchill, nicht einmal ein Blair. Unsere Angie versteht mehr von Macht, wie man sie kriegt und behält, als zehn CDU-Granden. Frauen sind eben auch Menschen: interessenbezogen, ehrgeizig und gewinnorientiert.

Das letzte Wort zum deutschen Wahlkampf 2017...

Marx wäre sehr happy mit den heutigen Landsleuten. Sie haben den Traum aus Engels "Anti-Düring" verwirklicht: "An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen." Im Sozialismus werde es keinen Streit um Werte und Interessen mehr geben, sondern nur noch die geräuschlose Organisation von Abläufen. Folglich gibt es nur einen Als-ob-Wahlkampf. Parole: "Wählt mich, weil ich so bin wie die anderen." Das zu geißeln, wie es die Medien tun, ist falsch. Ein Blick auf den turbulenten Rest der Welt zeigt ein Deutschland, das grundsätzlich mit sich zufrieden ist.

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