Politik : Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt?Vier Fragen an Josef Joffe

Morgen wählen die Amerikaner den neuen Pr&aum

Morgen wählen die Amerikaner den neuen Präsidenten. Welche Rolle spielen die Drogenerfahrungen der beiden Kandidaten?

Unvergessen bleibt Bill Clinton: "Ich habe geraucht, aber nicht inhaliert." Was man ihm auch abnehmen darf, ist doch Gras ein rechter Rachenkratzer. Die beiden anderen haben es - mal mehr, mal weniger - zugegeben, was gewisslich auch der Mehrheitsfähigkeit dient. Denn: Zwei Drittel aller Amerikaner in dieser Generation haben Cannabis sativa zumindest probiert und sind darüber eingeschlafen, statt sich das Bewusstsein zu erweitern. Schwerer wiegt wohl die jüngste Enthüllung, wonach Bush im Alter von 30 den Führerschein wegen zuviel Bier im Blut abgeben musste. Damit könnte er viele Mütter verprellt haben, die den Teenager-Tod im Suff fürchten. Womöglich gibt es in letzer Minute Auftrieb für Musterschüler Al.

Der französisch-deutsche Grüne Dany Cohn-Bendit sagt, Europa sei die letzte politische Utopie. Verträgt die EU denn so viel Hoffnung und Erwartung?

Welche Utopie? Die der genormten Bananen und harmonisierten Steuern? Der "Struktur-" und "Kohäsionsfonds"? Das ist ziemlich platt und diesseitig. So aber muss es auch sein, wenn Europa die nächste Hürden nehmen soll, nämlich die Osterweiterung und die "institutionelle Reform", sprich: eine neue Gewichteverteilung in den Hauptgremien. Nur Utopisten glauben, dass Geld und Macht im Umgang der Staaten keine Rolle spielen; Europa wird also just in diesen Niederungen zusammengefügt werden. Apropos Utopie: Der Ur-Vater war Thomas Morus mit seinem Werk Utopia. Das Traumland nannte er Erehwon. Rückwärts gelesen heißt das auf Englisch: "Nowhere" - "Nirgendwo-Land."

Hat sich der Zyklus der Gewalt in Nahost wieder einmal erschöpft? Kann eine neue Friedensinitiative Erfolg haben?

Erschöpft? Die jüngste Runde wurde durch eine Bombe im jüdischen Teil Jerusalems eingeleitet, die zwei Israelis zerfetzte - und dies nur ein paar Stunden, nachdem Israel und die Palästinenser sich auf einen Waffenstillstand geeinigt haben. Oder gerade deswegen. Das Signal der Terroristen könnte fataler nicht sein: Nun darf auch der friedensbewegteste Israeli folgern, dass es nicht um Gaza oder Hebron, sondern um sein Kernland geht. Wenn es Arafat nicht gelingt, den Terror von Jihad oder Hamas zu unterdrücken, wird erst sein Nachfolger einem lebensfähigen Palästinenser-Staat vorstehen können.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Fischer oder Schröder? Der erstere befand sich bis zum Wochenende auf großer Asienreise: Japan, Korea, Indonesien, Singapur. Anders als der Nebenkriegsschauplatz Nahost, wo gerade Schröder recht geschickt den Staatsmann gab, sind Japan oder Singapur die großen globalen Krisenherde, gerade richtig für den deutschen Chefdiplomaten. Korea? Da war Madeleine schon. Aber nur Mut, ab Ende Januar ist die aus dem Rennen.

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