Politik : Vier Journalisten in Afghanistan ermordet

In Afghanistan sind am Montag weitere vier westliche Journalisten und ein Dolmetscher ermordet worden. Die Reporter wurden nach Angaben des Gouverneurs der ostafghanischen Stadt Dschalalabad zuvor von einer Gruppe von bis zu 70 "Banditen" entführt. Die Journalisten seien vor ihrer Entführung auf einer Straße nach Kabul unterwegs gewesen, sagte Hadschi Abdul Kadir der den Taliban nahe stehenden Agentur AIP. Zuvor hatte der italienische Außenminister Renato Ruggiero in Brüssel den Tod der Journalisten bestätigt.

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Die Journalisten waren nach Angaben der spanischen Zeitung "El Mundo" in einem Konvoi unterwegs, als sie von bewaffneten Männern überfallen wurden. Neben dem Korrespondenten von "El Mundo" handele es sich um zwei Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sowie um eine Kollegin der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Der italienische Präsident Carlo Azeglio Ciampi bestätigte den Tod der "Corriere della Sera"-Korrespondentin Maria Grazia Cutuli.

Die Journalisten und der Dolmetscher waren auf der Fahrt von Dschalalabad nach Kabul. Eine andere Gruppe von Reportern, die in einem zweiten Konvoi gefolgt sei, habe entkommen können und sei nach Dschalalabad zurückgekehrt, hieß es. Der Korrespondent des spanischen Regionalsenders TV-3, Eduard Sanjuan, berichtete, der erste Konvoi sei 90 Kilometer östlich von Kabul gestoppt worden. Die Angreifer hätten die Fahrer laufen lassen und die Journalisten erschossen. Da die Angreifer die Ausrüstung der Journalisten nicht mitgenommen hätten, habe es sich wahrscheinlich aber eben "nicht um Banditen gehandelt".

Am 11. November waren ein deutscher und zwei französische Journalisten bei einem Taliban-Angriff im Norden getötet worden. Der aus Rostock stammende "Stern"-Reporter Volker Handloik war zusammen mit fünf Kollegen mit einem Schützenpanzer der Nordallianz nahe der Grenze zu Tadschikistan unter Feuer geraten.

In Kundus im Norden Afghanistans ist es unterdessen angeblich zu Massakern und Selbstmorden unter den eingeschlossenen Taliban und Mitgliedern der Terrorgruppe Osama bin Ladens gekommen. Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete am Montag, Terroristen der Gruppe Al Quaida hätten 300 Taliban umgebracht, die bereit gewesen seien, über eine Kapitulation zu verhandeln. Anders als im Süden des Landes haben die Taliban in Kundus keine Möglichkeit, sich zurückzuziehen, weil sie umzingelt sind.

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