Politik : Vietnam fordert China heraus

Nach mehreren Zwischenfällen auf See macht Hanoi nun mobil

Sascha Zastiral

Bangkok - Vietnam schlägt einen zunehmend konfrontativen Kurs gegenüber China ein. Premierminister Nguyen Tan Dung hat ein Dekret unterzeichnet, das regelt, welche Bevölkerungsgruppen im Fall einer bewaffneten Auseinandersetzung zum Kriegsdienst verpflichtet werden sollen. Bereits am Montag hat Vietnams Marine eine Truppenübung im Südchinesischen Meer abgehalten. Vietnams Außenministerium bezeichnet die Truppenübung in einer Erklärung zwar als „alljährliche Routineübung.“ Doch der Zeitpunkt spricht dafür, dass Hanoi ein Zeichen setzen wollte. Erst vergangene Woche hat Vietnam gegen einen Zwischenfall protestiert, bei dem ein chinesisches Fischerboot begleitet von zwei Patrouillenbooten „absichtlich“ mehrere Kabel eines vietnamesischen Erdöl- und Erdgas-Erkundungsschiffes durchtrennt haben soll. Zu einem ähnlichen Zwischenfall soll es bereits Ende Mai gekommen sein. Daraufhin haben sich mehrfach in vietnamesischen Großstädten Demonstranten versammelt und gegen Chinas Vorgehen protestiert.

Der Vorfall in der vergangenen Woche soll sich innerhalb der 200 Seemeilen großen sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone abgespielt haben, in der Vietnam gemäß internationalen Regelungen das exklusive Recht zusteht, nach Rohstoffen zu suchen. Peking erkennt dies nicht an und erhebt Ansprüche auf beinahe das gesamte Südchinesische Meer.

Im Kern der Auseinandersetzung liegen zwei Archipele im Südchinesischen Meer. Die Paracel- und Spratly-Inselgruppen sind unbewohnt, dort werden aber große Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet. Neben China erheben Vietnam, die Philippinen, Malaysia, Taiwan und Brunai Ansprüche auf Teile der Archipele. Die Konflikt schwelt schon seit mehreren Jahrzehnten und hat zu mehreren schwerwiegenden Vorfällen geführt. 1979 haben Vietnam und China einen kurzen Grenzkrieg geführt, bei dem es zumindest am Rand auch um Ansprüche auf die Spratly-Inseln ging. 1988 starben mehr als 70 vietnamesische Seeleute, als chinesische Kriegsschiffe Schiffe der vietnamesischen Marine versenkt haben. Diesmal scheint Hanoi zu allem entschlossen. Premier Nguyen Tan Dung bezeichnete Vietnams Ansprüche vergangene Woche als „unanfechtbar“. Sascha Zastiral

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