Politik : „Völkermord an Armeniern nicht leugnen“

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Berlin Der Berliner Parlamentspräsident Walter Momper (SPD) hat die Türkei aufgerufen, den Völkermord an den Armeniern vor 90 Jahren nicht länger zu bestreiten. Momper sagte am Samstagabend im Abgeordnetenhaus bei einer Gedenkfeier der Armenischen Gemeinde Berlin: „Wer Geschichte – oder Teile von ihr – verschweigen will, leistet Verdächtigungen und gegenseitigem Misstrauen Vorschub.“ Wer die Tatbestände bestreite oder leugne, „kennt entweder die Literatur nicht oder will die Spur des Völkermordes vertuschen“. Eindeutige Dokumente belegten, dass der Beschluss zur Vernichtung der Armenier keine Kurzschlusshandlung gewesen sei, „sondern wohl durchdacht war“.

Momper bezeichnete sich als „Freund des türkischen Volkes“, was ihm das Recht gebe, die Deportationen und Massaker 1915/16 im Osmanischen Reich klar zu benennen. Damals hatten mehr als eine Million Armenier ihr Leben verloren. Der SPD-Politiker warnte aber davor, „die Vergangenheit als Keule gegen den EU-Beitritt der Türkei zu benutzen“. Ankara habe einen Anspruch darauf, nach der heutigen Politik beurteilt zu werden. Die Türkische Gemeinde protestierte mit Flugblättern vor dem Abgeordnetenhaus.

Zuvor hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, das armenische Volk „um Verzeihung“ für den Völkermord gebeten. Bei einer Gedenkrede im Berliner Dom sagte Huber: „Wir setzen uns für eine offene und vorurteilslose Erörterung dieser Geschehnisse ein, die den Opfern der damaligen Gewalthandlungen Gerechtigkeit widerfahren lässt.“ Er schäme sich für die damalige politische Gleichgültigkeit des Deutschen Kaiserreiches. Unter Hinweis auf den Holocaust sagte Huber: „Ohne die Erinnerung holen uns solche Ereignisse ein und machen uns zu ihren Gefangenen.“ An die türkische Regierung appellierte der Bischof, sich mit ihrer Rolle gegenüber den Armeniern in Geschichte und Gegenwart auseinander zu setzen. „Zukunft kann nur gewinnen, wer die Vergangenheit nicht verschweigt.“ jul/m.m.

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