Politik : Völkermord (Kommentar)

cvm

So einfach ist das mit dem Terrorismus in Tschetschenien: Wer bis zum Wochenende Grosny nicht verlassen hat, ist ein Terrorist: Alte, Kranke und Gebrechliche, die keine Chance zur Flucht haben oder für die der Weg über die winterlich-kalten Berge das sichere Todesurteil bedeutet. Ebenso all die Menschen, die aus Furcht vor den Luftangriffen seit Wochen in den Kellern zerbombter Gebäude ausharren und deshalb keines der Flugblätter mit dem Ultimatum zu sehen bekamen. Alles Terroristen. Und solche Massen von Terroristen bekämpft man natürlich nicht mit kriminalistischen Methoden. Sondern indem man die Städte und Dörfer Tschetscheniens nach und nach platt bombt, bis es keinen überdachten Raum mehr gibt, der Zuflucht bietet. Hinter diesem terroristischen Vorgehen steckt die Angst der russischen Armee vor eigenen Verlusten. Und dafür muss man im Ansatz Verständnis haben. Auch die Nato-Piloten über Serbien sind so hoch geflogen, dass ihre Lebensgefahr minimiert wurde - auch wenn dadurch das Risiko von Kollateralschäden stieg und Flüchtlinge zu ihren Opfern wurden. Was jedoch die russische Armee in Tschetschenien tut, hat mit dieser Abwägung nichts mehr zu tun. Sie zerstört alles, was Generationen von Tschetschenen aufgebaut haben, ihre Kulturgüter und ihre Lebensgrundlagen. Das nennt die UN-Konvention Völkermord.

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