Politik : Vogelgrippe: Von der Leyen warnt vor Panik

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Berlin Ursula von der Leyen (CDU), niedersächsische Gesundheitsministerin und Mitglied im Kompetenzteam von Kanzlerkandidatin Angela Merkel, weist die jüngste Kritik des Robert-Koch-Institutes (RKI) an den Vorsorgemaßnahmen der Länder gegen eine Grippeepidemie zurück. Die Debatte, für wie viel Prozent der Bevölkerung die Vorräte antiviraler Medikamente reichen sollten, führe in die falsche Richtung, sagte von der Leyen dem Tagesspiegel. „Panik zu schüren, hemmt die sinnvolle Vorbereitung auf den möglichen Ausbruch einer Epidemie.“

Wie berichtet, hat RKI-Präsident Reinhard Kurth bemängelt, dass die von den Bundesländern beschafften Vorräte nur für zehn Prozent der Bürger genügten. Nötig seien 20 Prozent. „Diese Arzneien sind nur Zwischenmittel, die nicht geeignet sind, in nennenswertem Umfang Todesfälle zu verhindern“, sagt von der Leyen. Die Arzneien, die den Krankheitsverlauf nur abmilderten, könnten durch ein bestehendes Frühwarnsystem schnell an mögliche Infektionsherde gebracht werden. „Viel wichtiger aber ist die schnelle Beschaffung eines Impfstoffes, denn nur dieser kann die Ausbreitung der Keime stoppen und Todesfälle verhindern.“ Der Bund habe die Verantwortung dafür übernommen, dass Forschung und Produktionskapazitäten dafür ausgebaut würden.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) will nach einem Zeitungsbericht nun bis 2010 insgesamt 20 Millionen Euro zusätzlich für die Impfstoffforschung bereitstellen. Für dieses Jahr seien zwei Millionen Euro vorgesehen. Mit dem Geld sollen Prototypen von Impfstoffen entwickelt werden, die bei einer weltweiten Grippe-Epidemie zum Einsatz kommen könnten. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der mögliche Auslöser einer Epidemie – die in Fernost grassierende Vogelgrippe – nach Deutschland kommt, sei gering, sagte Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne). Die Eilverordnung, mit der die Geflügelhalter verpflichtet werden, ihre Hühner in die Ställe zu sperren, sei fertig. Sobald es nötig sei, werde sie sie unterschreiben. Bisher ist der 15. September, der Beginn des Vogelzugs nach Süden, als Stichtag geplant.

Die größten Gefahren einer Einschleppung der Tierseuche sieht Künast im illegalen Tierhandel. Deshalb werde der Zoll verstärkt Reisende kontrollieren. Ein zweiter möglicher Weg sind unachtsame Reisende oder Beschäftigte aus Ländern, in denen das Virus grassiert. Deshalb hat das Ministerium Reisehinweise erarbeitet, die auch in den Botschaften ausliegen. Der dritte Infektionsweg könnten Zugvögel sein. Doch „bisher hat der Ural als Grenze gehalten“, sagte Thomas Mettenleiter, Leiter des Friedrich-Löffler-Instituts. Die Zugrouten der Vögel östlich des Urals führen in den Südosten Europas, nicht in den Westen. I.B./ deh/ dpa

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