Volker Perthes im Interview : „Das wäre eine sehr unerwartete Eskalation“

Der Politikberater Volker Perthes über die möglichen Attentats-Pläne des Iran, Risiken für den Arabischen Frühling und die Frage, warum Europa sich öffnen muss.

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Volker Perthes leitet die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und berät Bundesregierung und Parlament. Foto: Paul Zinken
Volker Perthes leitet die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und berät Bundesregierung und Parlament. Foto: Paul Zinken

Die US-Regierung wirft dem iranischen Regime vor, einen Anschlag auf den saudischen Botschafter in Washington geplant zu haben. Was halten Sie davon?

Manchmal müssen wir einfach zugeben, dass wir Dinge nicht wissen. Die iranischen Kuds-Brigaden haben eine Geschichte von Terrorismus und Mord, aber bisher gab es dabei keine Anschläge in den USA. Wenn es tatsächlich eine Entscheidung in den höchsten Stellen des Irans gegeben hat, wäre das eine sehr ungewöhnliche und unerwartete Eskalation.

Wer könnte ein Interesse an einer solchen Eskalation haben?

Ich bin bei dieser Frage sehr skeptisch, daraus wird ganz schnell eine Verschwörungstheorie. Es scheint tatsächlich eine iranische Verbindung zu geben, dabei könnte es sich aber auch um Kräfte innerhalb der Revolutionären Brigaden handeln, die auf eigene Rechnung agieren. Es gibt ja Konflikte innerhalb des Systems.

Tobt ein Machtkampf, der Ahmadinedschad gefährlich werden könnte?

Präsident Mahmud Ahmadinedschad wurde nach seiner Wiederwahl von den konservativen Kräften geschwächt. Heute, zwei Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl, versuchen diverse mehr oder weniger konservative Fraktionen, ihn weiter zu schwächen, damit er nicht mit einem eigenen Kandidaten erfolgreich in die nächste Wahl geht.

Revolution in Ägypten
Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug feiern auch die Soldaten mit.Weitere Bilder anzeigen
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12.02.2011 10:47Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug...

Ist der Iran gestärkt oder geschwächt durch den Arabischen Frühling?

Die iranische Regierung glaubt, dass sie gestärkt sei. Sie redet sich Mut zu, da sie nicht übersehen kann, dass die Revolutionäre in Ägypten, Tunesien, in Libyen und selbst im schiitisch dominierten Bahrain keine iranischen Fahnen geschwenkt haben. Wenn sie überhaupt auf andere Länder geschaut haben, dann auf die Türkei. Manche haben auf Europa geschaut, vor allem auf die europäischen Werte wie Demokratie und Rechtsstaat. Es gibt drei Länder mit einem real existierenden Islamismus: den Iran, Saudi-Arabien und die Hamas-Herrschaft im Gaza-Streifen. Keines dieser Modelle ist für die Revolutionäre überzeugend.

Und geopolitisch?

Meiner Ansicht nach gewinnt der Iran nicht durch die Umbrüche in der Region. Im Gegenteil: Teheran könnte viel verlieren – wenn Syrien fällt. Mit dem Sturz von Baschar al Assad würde es seinen einzigen Verbündeten los, und damit auch den direkten Zugang zum Libanon und seinen Hisbollah-Milizen. Das macht das Regime richtig nervös.

Lesen Sie auf Seite 2, welches Risiko Perthes für Syrien sieht.

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