Volksabstimmung : Sieg für Morales-Gegner in Bolivien

Die Bürger der reichen bolivianischen Region Tarija haben bei einem Referendum mit großer Mehrheit für eine weitgehende Autonomie vom Zentralstaat votiert. Präsident Evo Morales will die Abstimmung nicht gelten lassen.

Tarija
Jubel unter den Anhängern der Teilautonomie. -Foto: AFP

Tarija/La PazBei der Volksabstimmung in der bolivianischen Region Tarija über eine weitgehende Autonomie haben die Gegner von Präsident Evo Morales offenbar einen klaren Sieg errungen. Bei dem Referendum hätten 80,3 Prozent der Teilnehmer für das Autonomie-Statut gestimmt, berichtete der Fernsehsender ATB am Sonntag unter Berufung auf Nachwahlbefragungen. 35 Prozent der Wahlberechtigten hätten sich der Stimme enthalten. Die Fernsehsender Unitel und PAT nannten ähnliche Zahlen.

Der Präfekt von Tarija, Mario Cossío, ließ sich nach Bekanntwerden der Hochrechnungen von Anhängern auf dem Balkon seines Regierungsitzes in Tarija feiern. Nach den Autonomie-Referenden in Tarija sowie zuvor in Santa Cruz, Pando und Beni werde es auch in den übrigen Regionen Boliviens solche Abstimmungen geben, sagte Cossío.

Regierung: "Keinerlei Folgen"

Die Abstimmung sei "illegal", kritisierte ein Regierungssprecher in der Hauptstadt La Paz. Ohne eine Änderung der Landesverfassung könne es keine Autonomie-Statute in den einzelnen Regionen Boliviens geben. Die Abstimmung habe "keinerlei Folgen für die Zukunft". Abgesehen von kleineren Zwischenfällen sei die Wahl ruhig verlaufen, teilte das regionale Wahlgericht mit. Das offizielle Endergebnis wird erst am Dienstag mitgeteilt.

Erdgasreiche Region

Mehr als 170.000 Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. In Tarija leben insgesamt nur 400.000 Menschen. Die an der Grenze zu Argentinien und Paraguay gelegene Region verfügt aber über 85 Prozent der bolivianischen Erdgasreserven, die einen Anteil von 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt ausmachen. In früheren Referenden hatten bereits die von rechtsgerichteten Gouverneuren regierten rohstoffreichen Regionen Santa Cruz, Pando und Beni ihre Verwaltungs- und Finanzautonomie erklärt.

Die Referenden waren eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf von Präsident Morales, der den Ureinwohnern mehr Autonomie zugestehen und dem Präsidenten mehr Vollmachten geben sollte. Die vier Regionen wehren sich gegen den zunehmenden Zugriff der Zentralregierung auf ihre Wirtschaft, durch den die armen und mehrheitlich von Menschen indianischer Abstammung bewohnten Landesteile mitfinanziert werden.

Im Machtkampf mit der Opposition will sich Morales, Boliviens erster indianischer Staatschef, am 10. August einem Volksentscheid stellen, in dem es um seinen Verbleib im Amt oder um seine Amtsenthebung geht. Bei der Abstimmung soll es auch um die Zukunft von Vizepräsident Alvaro García Linera und der Gouverneure der neun bolivianischen Regionen gehen, von denen sechs die Politik des linksgerichteten Präsidenten ablehnen. (feh/AFP/dpa)

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