Volkstrauertag : Merkel und Köhler gedenken der Opfer

Mit Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen ist am Volkstrauertag in ganz Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht worden. Erstmals wurden auch im Ausland gestorbene Soldaten berücksichtigt.

Berlin - Auf der zentralen Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Berlin rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur bleibenden Erinnerung an die Toten auf. "Erinnern heißt sichtbar machen" und bedeute, aus der Vergangenheit Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen, mahnte die Regierungschefin. Anschließend sprach Bundespräsident Horst Köhler die traditionelle Totenehrung.

Merkel versicherte im Gedenken an die Opfer der "nationalsozialistischen Vernichtungspolitik", die Deutschen stünden zu ihrer "daraus erwachsenden besonderen, immer währenden historischen Verantwortung". Mit dem Gedanken an das furchtbare Leid vergangener Tage gehe die Mahnung einher, sich "immer wieder für Frieden einzusetzen und entschieden gegen Unfreiheit, Krieg, Gewalt und Terror vorzugehen", fügte die Kanzlerin hinzu. Sie erinnerte daran, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg trotz aller Friedensbemühungen zahllose Konflikte gegeben habe und auch heute gebe. Dabei könne kein Staat allein der Vielzahl neuer Bedrohungen wie dem internationalem Terrorismus oder der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen Herr werden. Möglich sei dies jedoch gemeinsam mit den Partnern in der Welt. Besonders Gewicht maß Merkel dabei dem Dialog der Kulturen und Religionen zu. "Diesen Dialog müssen wir entscheidend verstärken - in unserem Land, aber auch international", unterstrich die Regierungschefin.

Erstmals gestorbener Bundeswehrsoldaten gedacht

In der traditionellen Totenehrung gedachte der Bundespräsident auch der Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage sowie der Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung. Erstmals in das Gedenken einbezogen wurden dabei auch die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die in Auslandseinsätzen ihr Leben verloren. Das Staatsoberhaupt griff damit eine Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf.

Der Präsident des Volksbundes, Reinhard Führer, verwies darauf, dass seine Organisation allein in diesem Jahr annähernd 35.000 im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten vorwiegend im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gefunden und ihnen eine würdige letzte Ruhestätte gegeben habe. Diese Arbeit sei nur möglich, weil es in den Ländern Osteuropas "viele Menschen gibt, die guten Willens und zur Versöhnung bereit sind", betonte Führer.

Zentrale Veranstaltung im Bundestag

Bei der Gedenkstunde im Plenarsaal des Bundestages waren neben den Repräsentanten der Verfassungsorgane der Bundesrepublik auch Bundestagsabgeordnete, Vertreter der Landtage, des Diplomatischen Corps, von Kirchen und der Jüdische Gemeinde anwesend. Begonnen hatte die zentrale Veranstaltung am Nachmittag mit einer Kranzniederlegung an der Neuen Wache in der Mitte Berlins. An dem Zeremoniell nahmen Köhler und Merkel sowie Bundesratspräsident Harald Ringstorff (SPD), Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) teil. Nach der Kranzniederlegung verharrten sie im stillen Gedenken.

Eingeführt wurde der Volkstrauertag nach dem Ersten Weltkrieg auf Initiative des 1919 gegründeten Volksbundes. Während der Nazi-Herrschaft wurde er als "Heldengedenktag" missbraucht. In der Bundesrepublik wird der Volkstrauertag in seiner ursprünglichen Bedeutung seit 1952 wieder begangen. (tso/ddp)

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