Volkszählung : Erste gesamtdeutsche Inventur

20 Jahre nach der letzten großen Erhebung beschließt die große Koalition eine neue Volkszählung für 2011. Experten erwarten, dass danach die Anzahl der Deutschen sowie die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer nach unten korrigiert werden muss.

Durch die Stimmen der großen Koalition stimmte der Bundestag einer Volkszählung zu. Durch das sogenannte Zensus-Vorbereitungsgesetz wird eine Erhebung ermöglicht, die voraussichtlich im Jahr 2011 stattfinden wird. Zuvor muss noch ein "Zensus-Anordnungsgesetz" verabschiedet werden. Die letzte Volkszählung in der Bundesrepublik fand vor 20 Jahren statt, die letzte der DDR 1981, 30 Jahre vor dem anvisierten Termin.

Begründet wurden die Pläne unter anderem damit, dass die seit 1987 fortgeschriebenen Daten veraltet seien. Auch in den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union soll es in vier Jahren solche Zählungen geben. Für das Gesetz stimmten die Abgeordneten von Union und SPD. FDP und Grüne enthielten sich. Die Fraktion Die Linke lehnte das Gesetz ab. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat bereits seine Zustimmung signalisiert.

"Stichproben"

Geplant ist, dass die rund 17,5 Millionen Eigentümer von Gebäuden und Wohnungen per Post Auskunft geben. Zusätzlich soll eine "Stichprobe" gemacht werden, für die nach bisherigen Plänen rund acht Millionen Menschen in Interviews befragt werden. Insgesamt sollen somit "nur" rund 25 Millionen Personen befragt werden. Darüber hinaus will man auf Melderegister sowie Daten der Finanzbehörden, der Bundesagentur für Arbeit und der Vermessungsbehörden zurückgreifen. Erfasst werden sollen Geburtsland und -ort, Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Familienstand. Dazu kommen Daten aus Haushalt, Erwerbsleben sowie zur Bildung. Die Gesamtkosten der neuen Volkszählung werden auf etwa 450 Millionen Euro geschätzt.

Gegen die Volkszählung 1987 hatte es heftige Proteste gegeben. Gegner warnten damals vor dem "gläsernen Bürger" und vor dem Weg in den Überwachungsstaat. Die verschiedenen Boykottaufrufe wurden aber nur wenig befolgt. Statistiker fordern schon seit längerem eine neue Datenbasis. Nach ihrer Schätzung leben in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen weniger, als auf Basis der Volkszählung von 1987 fortgeschrieben wurde. Das Statistische Bundesamt geht derzeit von 82,3 Millionen Einwohnern aus. Auch die Zahl der Ausländer liegt nach Schätzungen wahrscheinlich zu hoch. (mit dpa)

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