Politik : Vom Anhänger Saddams zum Dissidenten

Der irakische Politiker Ijad Allawi arbeitete vom Exil aus am Sturz des Diktators – an der Seite der USA

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Bagdad Der schiitische Politiker Ijad Allawi (59) präsentiert sich gern als „starker Mann“ des irakischen Regierungsrates. Die Auflösung von Polizei und Armee des alten Regimes habe ein Sicherheitsvakuum geschaffen, in dem sich Kriminalität und Terrorismus ausgebreitet hätten, argumentiert er.

Immer wieder hat er sich für die Interessen von Offizieren der aufgelösten irakischen Armee stark gemacht. Vor dem Sturz des Saddam- Regimes galt er als Liebling des US-Außenministeriums, das ihn als Alternative zu dem damals vom Pentagon favorisierten Schiiten Ahmed al Chalabi anpries. US-Außenminister Colin Powell reagierte am Freitag vorsichtig auf die Entscheidung des Regierungsrats. Die UN „respektierten“ die Nominierung mit spürbarer Verärgerung.

Allawi selbst hat sich in den 70er Jahren vom einstigen Mitglied der arabisch-nationalistischen Baath-Partei Saddam Husseins zum Gegner des Machthabers gewandelt. Er kommt aus einer prominenten schiitischen Familie und studierte in Bagdad Medizin und spezialisierte sich auf Neurologie.

1971 verließ er das Land, um nach Großbritannien zu gehen. Allawi war Vorsitzender des Verbandes der irakischen Studenten in Europa, trat aber 1975 aus der Baath-Partei aus. Das Regime bemühte sich – teilweise unter Drohungen – vergeblich, ihn ins Regierungslager zurückzuholen. Im Februar 1978 drang ein Attentäter in sein Haus bei London ein und verletzte ihn mit mehreren Axthieben schwer. Unter einem Decknamen lag er mehr als ein Jahr im Krankenhaus. Das Regime rächte sich auch an seinen im Irak lebenden Verwandten.

Nach US-Berichten arbeitete Allawi in Kooperation mit dem US-Geheimdienst und dem Außenministerium schon länger an Plänen für einen Sturz Saddam Husseins. Vor dem Einmarsch der US-Truppen soll er Botschaften an Militärführer gesendet haben, die zur teilweise kampflosen Aufgabe des Militärs beitrugen.

Allawi, der im vergangenen Oktober für einen Monat Vorsitzender des Regierungsrats war, ist Chef der Partei Irakischer Nationaler Konsens (INA). Der Partei gehören sowohl Schiiten als auch Sunniten und Christen an. Viele INA-Mitglieder sind ehemalige Baath-Anhänger, die sich wie Allawi selbst einst von der Partei abgewandt hatten. dpa

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