Politik : Vom Kind bis zum Opa – alle lieben die Umwelt

NAME

Von Dagmar Dehmer

Die Deutschen sind Romantiker – zumindest beim Blick auf die Natur. 72 Prozent der Deutschen denken, die Natur würde in Harmonie und Frieden existieren, wenn es den Menschen nicht gäbe. Knapp ein Viertel meint, dass schon kleine Eingriffe das Natursystem außer Kontrolle bringen können. Doch trotz dieser tief verwurzelten, langlebigen Denkstile nimmt die Zahl der Technikfeinde ab. Das ist ein Ergebnis der Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2002“, das der Marburger Professor Udo Kuckartz im Auftrag des Umweltbundesamts am Montagabend gemeinsam mit Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorgestellt hat.

Kuckartz hat nicht nur eine zunehmend positivere Wahrnehmung der Technik als Mittel, Umweltprobleme eher zu lösen als neue zu schaffen, festgestellt. Er beobachtet auch eine Entemotionalisierung und eine Entdramatisierung des Themas. Was jedoch nichts daran ändert, dass der Umweltschutz für die Deutschen eines der wichtigsten Themen bleibt. Es rangiert stabil an vierter Stelle nach dem Arbeitsmarkt, sozialer Gerechtigkeit und der Wirtschaftslage, im Westen sogar auf Rang drei.

Als größtes Umweltrisiko nehmen die Deutschen noch immer die Atomkraft und den daraus resultierenden radioaktiven Müll wahr. An zweiter Stelle folgt aber bereits die Furcht vor der Klimaerwärmung. Der Klimaschutz gilt entsprechend als eines der wichtigsten Umweltprobleme, allerdings sehen die meisten dort auch die geringsten politischen Fortschritte. Die Hälfte der Deutschen glaubt deshalb auch nicht, dass der Klimawandel noch aufzuhalten sei. Trotzdem wünschen sich 47 Prozent der Befragten eine Vorreiterrolle Deutschlands im internationalen Klimaschutz. Würde die Regierung dem Wunsch des Bundestags und ihrer Umweltberater, sich bis 2020 auf eine Reduktion des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verpflichten, folgen, könnte sie mit breiter Unterstützung in der Bevölkerung rechnen.

Über weite Teile liest sich die Studie wie eine Bestätigung für das Wahlkampfkonzept der Grünen. So hat Kuckartz erstmals untersucht, welche Bürger als besonders umweltengagiert gelten können, und stellte fest, dass diese Gruppe „ziemlich genau mit der so genannten Neuen Mitte übereinstimmt“, merkte Jürgen Trittin zufrieden an. Der Umweltschutz genießt bei Menschen mit kleinen Kindern einen besonderen Stellenwert, sagte Kuckartz. Gerade nachdem die Grünen die Familienpolitik entdeckt haben. Außerdem hat der Umweltminister noch ein paar Daten gefunden, die ihm persönlich Genugtuung verschaffen: 73 Prozent der Bürger befürworten das Dosenpfand, 75 Prozent sind nicht bereit, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu kaufen. 74 Prozent erwarten, dass immer mehr Lebensmittel ökologisch erzeugt werden. „Wir liegen mit der Agrarwende also völlig richtig“, meinte Trittin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben