Politik : Vom Knurren

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Manchmal meinen gerade die kratzbürstigsten Menschen die groben Worte gar nicht so böse, wie sie aus ihrem Mund kommen. Nehmen wir zum Beispiel den Bundesminister des Auswärtigen, einen berüchtigten Knurrer, Beschimpfer und Urheber deftigster Sottisen. Die treffen oft auch Journalisten. So lässt Fischer etwa den Parlamentskorrespondenten einer konservativen Tageszeitung aus einem großen Hamburger Pressehaus am Rande von Sitzungen gelegentlich wissen, dieser werde „gar nichts“ von ihm erfahren – und dann gibt er der „Welt“ doch wieder ein wichtiges Interview.

Kürzlich beim Grünen-Parteitag in Hannover lud der „heimliche Vorsitzende“ kurzfristig Journalisten zur Hintergrundrunde. Als dort auch der „Welt“-Korrespondent auftauchte, knurrte Fischer wieder, er wolle doch nicht „die reaktionäre Kampfpresse“ dabeihaben. Ein willfähriger, stellvertretender Regierungssprecher, ebenfalls anwesend, hörte den angeblichen Bannspruch und lud den Korrespondenten wieder aus. Aber siehe da: Die bösen Worte waren dann gar nicht so gemeint gewesen, sondern eher ein Spiel mit Versatzstücken aus Fischers Biografie. Als der Politiker hörte, was passiert war, wurde der Korrespondent der „Welt“ wieder herorganisiert.

Dabei kennt Fischer den politischen Gegner offensichtlich manchmal besser als die eigenen Leute. Als der „Ober-Grüne“ im Airbus kürzlich von Medien-Menschen umringt wurde, wollte er von einer Journalistin wissen, für welche Redaktion sie tätig sei. „Ich arbeite für Sie“, lautete kurz und bündig die Antwort einer neuen Pressereferentin aus dem Auswärtigen Amt.

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