Politik : Vom schwarzen Heft ins Internet

Die Bundeszentrale für politische Bildung wird 50 – neben Lehrern und Dozenten will sie jetzt die Jugendlichen besser erreichen

Ruth Ciesinger

Wer weiterbildet, muss selber lernen. Vor 50 Jahren wollte die neu gegründete Bundeszentrale für Heimatdienst in einem Preisausschreiben wissen, wer den Bundespräsidenten wählt. Inzwischen heißt sie Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) – und mit solchen Fragen würde Direktor Thomas Krüger nicht mehr versuchen, Jugendliche für Politik zu begeistern. Die engagieren sich zwar sehr wohl für politische Themen, so genanntes „institutionelles Wissen“ stößt aber eher auf Desinteresse. Dem will die bpb, die jahrelang zwar als verdienstvoll, aber arg altmodisch galt, Rechnung tragen. Als eine Institution, die sich nicht nur an so genannte Multiplikatoren wie Lehrer und Dozenten richtet, sondern als Einrichtung, die auch Jugendliche mit Themen wie Sucht oder Globalisierung in die politisch-gesellschaftliche Debatte einbindet und die auch die Migranten in Deutschland als Zielgruppe miteinschließt.

Die Zielsetzung aber ist gleich geblieben: Seit 1952 Paul Franken als erster Direktor mit zehn Mitarbeitern in Bonn die Arbeit aufnahm, soll die Bundeszentrale den Deutschen ihre Demokratie näher bringen. Das tut sie seither mit Publikationen, Reisen und Veranstaltungen. Wer kennt sie nicht, die schwarzen Hefte aus der Reihe „Informationen zur politischen Bildung“, die in der Schule verteilt wurden und über den deutschen Föderalismus, das amerikanische Staatswesen oder das Grundgesetz informierten. Rund 920 000 Stück zählt die Erstauflage eines solchen Heftes, pro Jahr kommen Hunderttausende Nachdrucke hinzu. Für die Bücher, die früher kostenlos verschickt wurden, müssen jetzt zwei Euro gezahlt werden – seitdem steigt die Nachfrage, sagt Thomas Krüger.

Nach einigen internen Umstrukturierungen leitet der ehemalige Berliner SPD-Jugendsenator und Bürgerrechtler seit zwei Jahren allein die bpb. Dass Leute sich politisch engagieren, sei das eine Ziel, sagt er, die Wissensvermittlung das andere. Seit einem Jahr soll das Magazin „Fluter“ auch die Jugendlichen erreichen, die sich zunächst weniger für politische Themen interessieren. Alle drei Monate erscheint es, inklusive Internet-Ausgabe. Hauptthema ist im November die Sucht, außerdem wird über Bücher debattiert und der Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ vorgestellt. Ab Januar wird mit der Redaktion von jetzt.de zusammengearbeitet, die aus dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung hervorgegangen ist. Die politische Ausgewogenheit der bpb kontrolliert ein Kuratorium aus 22 Mitgliedern des Bundestages. Einige von diesen waren über den offenen Ansatz Krügers nicht begeistert, inzwischen hat sich das offenbar gelegt.

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