Politik : Vom Terminator zum Gouverneur

Arnold Schwarzenegger will nun doch Kalifornien regieren. Seinen ersten Wahlkampfauftritt hatte er in einer Talkshow

Matthias B. Krause[New York]

Von Matthias B. Krause,

New York

Die Frauen in den Besucherreihen der „Jay Leno Show" kreischen wie Teenager auf einem Popkonzert. Fehlte nur noch, dass jemand rote Rosen auf die Bühne wirft. Alle lieben Arnie, jetzt können sie ihn sogar als Gouverneur von Kalifornien wählen. Am Mittwoch (Ortszeit) gab der Schauspieler und Muskelprotz Arnold Schwarzenegger überraschend seine Kandidatur in der Sendung des TV-Komikers Leno bekannt.

Von dem politisch völlig unbeleckten 56 Jahre alten Österreicher weiß man bislang nur, dass er sich als Republikaner versteht. Mit liberalen Ansichten zu Abtreibung, Schwulenrechten und Einschränkung des Waffenbesitzes. Wer auf Aufklärung bei der Leno-Show gehofft hatte, sah sich getäuscht. Zum einen ist sein Freund, der Talkmaster, für nette Plaudereien, aber gewiss nicht für harte Fragen bekannt. Zum anderen hatte Schwarzenegger kaum mehr zu bieten als die Rolle als Anti-Davis.

1,6 Millionen Kalifornier hätten die Neuwahlen am 7. Oktober erzwungen, weil der amtierende demokratische Gouverneur Gray Davis „einen schlechten Job“ leiste, sagte der Schauspieler: „Die Politiker machen ihre Arbeit nicht. Die Politiker fummeln herum, stolpern und versagen. Und der Mann, der mehr als alle anderen versagt, ist Davis.“ Der Demokrat war im vergangenen Jahr nur knapp wiedergewählt worden. Da sich seitdem die Haushaltskrise des durch das Platzen der Internetblase und durch Missmanagement mit Wasser- und Energieressourcen schwer gebeutelten Bundesstaates drastisch verschlechterte, war der Ruf nach seiner Abwahl laut geworden. Kalifornien drücken 38 Milliarden Dollar Schulden, soviel wie die übrigen 49 US-Bundesstaaten zusammen.

Er werde den gesamten Staat liften, wie er das früher mit seinen Gewichten gemacht habe, tönte Schwarzenegger: „Damit Kalifornien wieder der großartigste Platz auf Erden wird, der er war, als ich hier hergekommen bin." Seine PR-Strategen hatten es im Vorfeld der Sendung geschafft, den Medien weiszumachen, er werde nicht antreten. Einer der Hauptgründe sei das Veto seiner Frau Maria Shiver gewesen, die Angst um die Privatsphäre der Familie habe. Die Nichte von John F. Kennedy, eine Demokratin, arbeitet als TV-Reporterin bei NBC – jener Fernsehstation, die auch die Show von Jay Leno ausstrahlt.

Boulevard-Zeitungen wie die „New York Post" bejubelten am nächsten Tag die neue Karriere des „Terminator"-Darstellers und sehen schon den „Gouvernator" in Sacramento einziehen. Die seriöse „Los Angeles Times" befürchtet dagegen, die Kalifornier hätten das ihnen häufig angedichtete Adjektiv „verrückt" jetzt endgültig verdient. „Ich habe Kalifornien Tag ein und Tag aus verteidigt", zitiert die Zeitung den liberalen Politiker und Historiker Kevin Starr, „aber nun werfe ich mein Handtuch. Dieses Mal verdienen wir die Häme, oder? Wir haben einen führenden Kandidaten, der seine Entscheidung bei Leno bekannt gibt. Die Gesellschaft verfällt zur bewussten Selbstparodie." Die populäre kalifornische Demokratin Dianne Feinstein, die wenige Stunden vor Schwarzenegger ihren Verzicht zugunsten Davis bekannt gegeben hatte, klagte: „Es wird jeden Tag mehr und mehr ein Karneval. Meine Hoffnung ist, dass diese Neuwahl bei allen Kaliforniern eine tiefe Seelensuche verursacht darüber, ob wir wirklich so sein wollen." Zu der illustren Liste der Kandidaten, die Davis beerben wollen, gehören Gestalten wie der Porno-Magazin-Gründer Larry Flynt, zahlreiche politisch unbeleckte Millionäre und viele Unbekannte. Für ein paar Dollar kann sich noch bis Samstag jeder eintragen, der sich für befähigt hält. Es wird damit gerechnet, dass am Ende bis zu 500 Kandidaten zusammenkommen. Weil sie auf den Wahllisten in zufälliger Reihenfolge erscheinen, werden Namen mit hohem Wiedererkennungswert deutlich bessere Chancen haben.

Zudem haben schon andere Schauspieler vor Schwarzenegger politische Karriere gemacht. Allen voran Ronald Reagan, der es bekanntlich vom B-Movie-Darsteller zum Chef der einflussreichen Schauspielergewerkschaft, zum Gouverneur und schließlich zum amerikanischen Präsidenten brachte. Der Weg ins Weiße Haus ist Schwarzenegger allerdings versperrt. Dorthin dürfen laut Verfassung nur Politiker gewählt werden, die in den USA geboren wurden.

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