Politik : Vom Vatikan lernen

Gerd Appenzeller

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die SPD hat ein Problem – meinen die Journalisten. Denn wenn der Bundeskanzler das Amt des Parteivorsitzenden abgibt, dann doch nur, weil der sozialdemokratische Traditionsverband nicht mehr auf ihn hört. Ganz falsch, gibt uns die SPD-Spitze zu verstehen. In Wirklichkeit haben die Journalisten ein Problem – ein Deutungsproblem, denn Gerhard Schröder ist ja nur deshalb plötzlich für die Trennung jener Ämter, die er eigentlich für untrennbar hielt, weil da die Sache mit der Verantwortung für Deutschland ist. Der Innovationsprozess muss weitergetrieben werden, und dazu bedarf es des Kanzlers ganzer Kraft. So einfach ist das.

Und dann ist da auch Franz Müntefering. Der Mann, der nie darüber nachgedacht hat, ob er jemals SPD-Vorsitzender werden könnte. Dabei kennt kaum jemand die Partei so gut wie er. Der aber genau weiß, wie schön dieses Amt ist. „Vorsitzender der SPD“, hat er gestern auf eine entsprechende Frage geantwortet, „ist das schönste Amt neben Papst.“ Das ist sprachlich nicht ganz perfekt, aber eine glasklare Ansage. Die Sozialdemokratische Partei ist 140 Jahre alt. In dieser Zeit, das Exil zwischen 1939 und 1945 nicht mitgerechnet, hatte sie 28 Vorsitzende. In diesen 140 Jahren saßen aber nur zehn Päpste auf dem Stuhle Petris. Sind sie einmal gewählt, hat bislang nur der Tod das Ende ihrer Amtszeit bestimmt. Und Widerspruch hatten sie auch nicht zu fürchten. Ob Münte vielleicht doch ein wenig von vatikanischen Zuständen träumt?

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