Politik : VOM ZIEL ZUR VISION

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Die Vokabel „Vollbeschäftigung“ gehörte lange zum alltäglichen Wortschatz der deutschen Politiker. Ludwig Erhard, Wirtschaftsminister unter Adenauer und später selbst Kanzler, nannte die dauerhafte Vollbeschäftigung explizit als Ziel seiner Politik. Tatsächlich war die Vollbeschäftigung in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre erreicht. Auch die Gründung der ersten großen Koalition 1966 stand ganz im Zeichen des Arbeitsmarkts, der durch eine leichte Rezession unter Druck geriet. Öffentlichkeitswirksam bekundete Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) die Vollbeschäftigung als Ziel, erreichbar durch staatliche Investitionen. Die Rhetorik der Vollbeschäftigung dank keynesianistischer Politik verfolgte bis Ende der 1970er Jahre auch die Regierung von Helmut Schmidt. Es war dessen Finanzminister Hans

Matthöfer, der unter dem Eindruck der Ölpreiskrisen langsam von der Vollbeschäftigungs-Rhetorik abrückte. In der Folgezeit verschwand die Vokabel aus der politischen Alltagssprache und tauchte bestenfalls noch als Vision in Wahlprogrammen auf. Öffentlich sprachen die Politiker nurmehr von der „Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ oder, wie Gerhard Schröder im Bundestagswahlkampf 1998, von deren „Halbierung“. Erst während des vergangenen Wirtschaftsaufschwungs war wieder, wenn auch nur vereinzelt, vom Ziel der Vollbeschäftigung die Rede.mam

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