Politik : Von Anschlag zu Anschlag

Aznar geht. Der Terror, den er besiegen wollte, ist stärker denn je

Ralph Schulze

Madrid . „Wir werden die Terroristen besiegen", schwor Jose Maria Aznar und eroberte mit diesem Versprechen 1996 erstmals die Regierungsmacht. Ein Jahr zuvor, am 19. April 1995, war der Konservative um Haaresbreite seinem Tod entgangen. Die baskische Terror-Organisation Eta hatte eine Bombe aus 40 Kilogramm Dynamit und 40 Kilo Nägeln neben seinem gepanzerten Audi hochgejagt: 18 Menschen wurden verletzt, eine Frau getötet, Aznar, damals 42 Jahre alt, kam mit ein paar Schrammen davon.

Nun, Tage vor seinem freiwilligen Abschied als Regierungschef, musste der inzwischen 51-Jährige Konservative erleben, dass der Sieg über den Terrorismus noch fern ist. Und vielleicht noch schlimmer: Dass Spanien nun nicht nur die Eta, sondern auch die islamistische Al Qaida zum Feind hat.

Der 11. März 2004, an dem das grausamste Attentat in der spanischen Demokratie-Geschichte die Welt schockte, sorgte für einen unerwartet bitteren Abschied Aznars von der Macht. Blass, bestürzt und mit bewegter Stimme erneuerte er seinen Schwur gegen den Terror, den nun sein Amtsnachfolger vollstrecken muss.

Dabei hatte der konservative Premier in seinem Land durchaus Erfolge erzielt. Die Eta, die im demokratischen Spanien unter dem Vorwand der baskischen Unabhängigkeit mehr als 800 Menschen ermordete, darunter Dutzende Freunde und Politiker aus Aznars konservativer Volkspartei, ist nach eisernem Durchgreifen von Justiz und Polizei so geschwächt wie noch nie.

Zugleich sah Aznar die Zeit gekommen, seinen Lebenskampf gegen das Böse global auszuweiten. Zunächst als Trommler für eine gemeinsame europäische Anti-Terror-Politik. Und dann als wichtigster Juniorpartner der amerikanisch-britischen Kriegskoalition gegen Irak. „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich meinen Pflichten nicht ausweichen kann.“ Welche Pflicht und Aufgabe Aznar nach seinem Abtritt zu erfüllen sucht, hat er noch nicht mitgeteilt.

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