Politik : Von Bagdad zur Sozialpolitik

Die Friedensbewegung sucht nach neuen Zielen

Anja Worm

Der große Zustrom zu den Anti-Kriegsdemonstrationen wird der Friedensbewegung keine neuen Mitglieder bescheren. Das schätzt der Bewegungsforscher Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin. „Die Massenbewegungen bleiben zuhause, da der Krieg zu Ende ist“, sagte Rucht dem Tagesspiegel. Zudem werden sich die Friedensinitiativen auf „Randthemen konzentrieren“.

Die Organisatoren von Friedenskampagnen zeichnen ein ähnliches Bild. Jetzt stehe die europäische und bundesdeutsche Verteidigungspolitik auf der Tagesordnung, meinte Peter Strutynski vom bundesweiten friedenspolitischen Ratschlag. „Die wichtigste Ebene ist nun die lokale, auf der Aktionen stattfinden werden“, sagt Strutynski. Der Irak würde zwar weiterhin Thema bleiben, es würden aber andere Schwerpunkte gesetzt. „Uns wird nun beschäftigen, was weiter in Nahost passiert und welches Land als Nächstes angegriffen wird“, erklärte Strutynski. Das Netzwerk Friedenskooperative will nach Angaben seines Sprechers Christian Golla Reformvorschläge für die UN erarbeiten. „Nun sind Fachleute gefragt, die sich inhaltlich auseinander setzen“, sagte Golla.

Die Globalisierungskritiker von Attac wollen gegen die „Agenda 2010“ der Bundesregierung protestieren und dafür Kriegsgegner gewinnen. „Wir wollen den Menschen die Verbindung zwischen Globalisierung, Sozialabbau und Krieg zeigen“, sagte Babara Fuchs von Attac.

Ein Resümee aus den Protesten wollen die Friedensinitiativen beim Kongress „Kultur des Friedens“ in Berlin ziehen. Der viertägige Kongress, der am 1. Mai beginnt, wird vom Verein Internationale Ärzte gegen den Atomkrieg (IPNNW) veranstaltet.

Weitere Informationen im Internet:

www.kultur-des-friedens.de

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