Politik : Von Bremen in die Welt

Der frühere Bürgermeister Hans Koschnick wird 75

Eckhard Stengel[Bremen]

„Beruf: Verwaltungsbeamter“, steht in Hans Koschnicks offiziellem Lebenslauf. „Mediator“, also Vermittler, wäre die passendere Berufsbezeichnung für den SPD-Politiker, der am Freitag 75 Jahre alt wird. Denn der Bremer Altbürgermeister hat sich immer wieder als Makler, Versöhner, Friedensstifter eingebracht – und als Anwalt für Minderheiten nach seinem Motto: „Solange du stark bist, hilf den Schwächeren.“ Sich für andere zu engagieren, lernte Koschnick im Elternhaus. Sein Vater war kommunistischer Gewerkschaftssekretär und saß wegen Widerstands gegen die Nazis fünf Jahre in Zuchthaus und KZ. Weil auch seine Mutter für ein Jahr inhaftiert wurde, kam der Fünfjährige in die Obhut seiner Großeltern.

Ins Rathaus zog er zunächst als Verwaltungslehrling ein. Nach einem Zwischenspiel als ÖTV-Gewerkschaftssekretär leitete er eine Abteilung im Bremer Sozialressort, bis er in die Politik wechselte: 1955 wurde er mit 26 Jahren Bremens jüngster Bürgerschaftsabgeordneter, 1963 Deutschlands jüngster Innenminister und vier Jahre später jüngster Regierungschef eines Bundeslandes. Als „Großer Manitu“ führte Koschnick den Stadtstaat 18 Jahre lang. Er gründete eine zunächst als rot verschrieene Reformuniversität, verstand sich aber auch gut mit der Autoindustrie und holte ein Mercedes-Werk nach Bremen. Nicht verhindern konnte er die Schließung der Großwerft „AG Weser“ – eine seiner schwersten Niederlagen.

Sich nur für Bremen einzusetzen, war Koschnick aber zu wenig. Nebenbei engagierte sich „Hans Dampf“ für die Aussöhnung mit Polen, Israel und Jugoslawien. Als Mitglied der SPD-Spitze gestaltete er Willy Brandts Ostpolitik mit, wegen seines Vermittlertalents war er damals manchmal als „heimlicher Außenminister“ unterwegs. 1985 verabschiedete sich Koschnick aus dem Bremer Rathaus. 1994 übernahm er die Leitung der EU-Wiederaufbauaktion im bosnischen Mostar. Das war wohl die schwierigste Aufgabe seines Lebens, und sie hatte nur mäßigen Erfolg: Schulen und Stromnetze konnten seine Helfer reparieren, doch den Hass zwischen den verfeindeten Volksgruppen konnte selbst Mediator Koschnick kaum dämpfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben