Politik : Von Brüssel nach Athen

Papandreou zieht mit EU-Kommissarin in den Wahlkampf

Gerd Höhler[Athen]

Unter dem neuen Chef der griechischen Sozialisten, Georgios Papandreou, kommt wieder Bewegung in die politische Landschaft – die Partei bekommt jetzt sogar Zulauf von Politikern anderer Lager. Zwei angesehene konservative Ex-Minister, Stefanos Manos und Andreas Andrianopoulos, sagten in dieser Woche Papandreou ihre Unterstützung zu. Auch zwei populäre Politiker linker Splitterparteien, Maria Damanaki und Mimis Androulakis, schlossen sich der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) an. Die Neuzugänge bekamen Spitzenplätze auf der Landesliste der Partei, die das Land seit über 22 Jahren fast ununterbrochen regiert. Und in Brüssel teilte am Donnerstag die griechische EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou mit, dass sie ihren EU-Job aufgibt, um am 7. März in ihrer Heimat die Wahlliste der Pasok anzuführen. Für den konservativen Parteichef Kostas Karamanlis ist all das ein schwerer Schlag. Auch wenn die Opposition den Führungswechsel bei der Pasok als eine „interne Angelegenheit“ der regierenden Partei abzutun versucht, strahlt die sozialistische Partei derzeit mehr Anziehungskraft aus, als Oppositionsführer Karamanlis lieb sein kann. Er hatte den angesehenen Wirtschaftsfachmann Manos 1998 im Rahmen einer „Säuberung“ aus der Partei gefeuert. Dabei brachte Karamanlis auch fünf weitere Abgeordnete des liberalen Flügels um ihre Mitgliedschaft in der von ihm auf einen Rechtskurs gesteuerten Nea Dimokratia (ND).

Karamanlis glaubte sich noch im Dezember siegessicher. In Umfragen lag seine ND um bis zu neun Prozentpunkte vor der Pasok. Dann übernahm Papandreou das Ruder bei den Sozialisten. Seither hat die Pasok mächtig aufgeholt. In der Sonntagsfrage liegen die Konservativen nur noch dreieinhalb Prozentpunkte vorn. Im direkten Vergleich mit dem Oppositionsführer führt der Pasok-Chef sogar – auch wenn sich viele Sozialisten fragen, für welche Politik Papandreou eigentlich steht.

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