Politik : Von der Vergangenheit eingeholt

Frühere First Lady soll in Argentinien vor Gericht

Sandra Weiss

Caracas - Wie ihre Vorgängerin Evita träumte auch Isabel von einer Zukunft als Tänzerin und Schauspielerin. Wie Evita fand auch sie durch ihre Beziehung zu Juan Peron Gefallen an der Macht. Doch auch der dritten Frau des legendären argentinischen Präsidenten war wenig Glück beschert. Sie war zwar nach dem Tod ihres Mannes die erste Präsidentin Argentiniens, führte das Land aber während ihrer 20-monatigen Regentschaft noch tiefer ins Chaos und ebnete schließlich der Militärdiktatur den Weg. Als „schwärzestes Kapitel der argentinischen Geschichte“ gelten diese Jahre. Wegen ihrer Verantwortung für den „Staatsterrorismus“ soll der 75-Jährigen nun in Argentinien der Prozess gemacht werden.

Am Wochenende wurde sie in ihrer Exilheimat Spanien auf Geheiß eines argentinischen Untersuchungsrichters festgenommen, aufgrund ihres hohen Alters für die Dauer des Auslieferungsverfahrens jedoch auf freien Fuß gesetzt. Konkret geht es um das Verschwinden und die Folter zweier linker Aktivisten 1976. „Endlich wird auch denen Gerechtigkeit widerfahren, die vor der Diktatur getötet wurden“, begrüßte Lidia de Almeida von den Müttern der Plaza de Mayo den Prozess.

Isabel, deren bürgerlicher Name Maria Estela Martinez lautet, lernte Peron kurz nach dessen Sturz 1955 in Panama kennen. Evita war zu dem Zeitpunkt drei Jahre tot. Als seine Sekretärin folgte sie ihm nach Venezuela, in die Dominikanische Republik und nach Spanien, wo sie – gegen den Widerstand von Perons Beratern – im Januar 1961 heirateten. Nach 18 Jahren im Exil kehrte der gesundheitlich angeschlagene Peron schließlich nach Argentinien zurück und wurde im Oktober 1973 erneut zum Präsidenten gewählt – mit Isabel als Vize. Doch zu diesem Zeitpunkt war sein Ruhm verblasst, rechte und linke Peronisten fochten erbitterte Grabenkämpfe aus, die in bürgerkriegsähnliche Zustände mündeten, als Peron im Juli 1974 starb und seine politisch unerfahrene Witwe die Macht übernahm. Argentinien schlitterte in eine schwere Wirtschaftskrise mit Hyperinflation und Überschuldung.

Isabel wuchs die Verantwortung über den Kopf. Ihre Minister ermächtigten schließlich per Dekret die Militärs, mit allen Mitteln gegen die Subversion vorzugehen. Aufgrund dieser Dekrete verschwanden Menschenrechtsorganisationen zufolge 600 Menschen. Sie waren der Auftakt für den Staatsterror, der nach dem Putsch vom 24. März 1976 noch verschärft wurde. Isabelita selbst wurde von den Militärs unter dem Vorwurf der Korruption verhaftet und bis 1981 festgehalten. Nach ihrer Freilassung ging sie ins Exil nach Spanien und zog sich völlig aus dem politischen Leben zurück. „Der Fall jetzt wird zu Aufruhr in der Partei führen und schlafende Hunde wecken“, befürchtet der Parteidelegierte Jorge Landeau. Präsident Nestor Kirchner hingegen erklärte, in Argentinien genieße niemand Straffreiheit. Er gehört dem linken Flügel der Peronisten an und will im Oktober wiedergewählt werden.

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