Von Falludscha bis Aleppo : Al-Qaida-Terroristen sind auf dem Vormarsch

Sobald die Staatsmacht schwächelt, sind die ISIS-Terroristen da. Im Irak nutzen sie die Krise zwischen Al-Maliki und den Sunniten aus. In Syrien profitieren sie von den Folgen des Bürgerkrieges.

Al-Qaida-nahe Kämpfer kontrollieren die Stadt Falludscha im Westirak. Foto: dpa
Al-Qaida-nahe Kämpfer kontrollieren die Stadt Falludscha im Westirak.Foto: dpa

Die Al-Qaida-Terroristen gehen in Syrien und im Irak nach dem gleichen Schema vor: Sie warten erst ab, bis der Konflikt zwischen der Regierung und ihren Gegnern eskaliert. Dann nisten sie sich in den Gebieten der Regimegegner ein, aus denen sich die Staatsmacht zurückgezogen hat. Zuletzt eliminieren sie jeden, der gegen ihre Form der religiösen Diktatur aufbegehrt.

In der bevölkerungsarmen syrischen Provinz Al-Rakka waren die Terroristen der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) mit dieser Strategie in den vergangenen Monaten relativ erfolgreich.

Auch in den Provinzen Aleppo und Idlib kamen die Fanatiker zunächst ganz gut voran, weil viele Rebellen davor zurückschreckten, in ihrem Krieg gegen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad, „noch eine weitere Front zu eröffnen“.

Der Hass erhielt vor einigen Tagen neue Nahrung

Doch damit ist jetzt Schluss. Aus mehreren Ortschaften in Aleppo und Idlib wurden am Wochenende Kämpfe zwischen ISIS und der Freien Syrischen Armee (FSA) gemeldet. Das in Istanbul ansässige Bündnis der syrischen Opposition erklärte: „Es ist entscheidend, dass die Rebelleneinheiten ihren Kampf zur Verteidigung der Revolution gegen Assads Milizen und gegen die Einheiten von Al-Kaida fortsetzen.“ Auch in der irakischen Provinz Al-Anbar, die an Syrien angrenzt, versuchen die ISIS-Terroristen jetzt, den Menschen ihre Vorstellung von einem „Gottesstaat“ mit Waffengewalt aufzuzwingen. Dabei wollen sich die sunnitischen Extremisten der ISIS den Hass der fast ausschließlich von Sunniten bewohnten Provinz auf die Regierung zunutze machen.

Dieser Hass erhielt vor einigen Tagen neue Nahrung, als der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki Truppen in die Provinz entsandte, um ein Protestlager seiner Gegner mit Gewalt räumen zu lassen. Trotzdem haben die Bewohner der Städte Ramadi und Falludscha die Terroristen jetzt nicht mit offenen Armen aufgenommen.

„Die Lebensmittel werden knapp, an ein normales Leben ist nicht zu denken“

In Ramadi liefern sich Stammeskämpfer und lokale Polizeieinheiten erbitterte Kämpfe mit den vermummten Eindringlingen. In Falludscha können sich die ISIS-Terroristen zwar im Moment weitgehend ungehindert bewegen. Das liegt aber vor allem daran, dass die Stammesführer der Stadt beschlossen haben, erst einmal Al-Malikis Truppen zu vertreiben, die am östlichen Stadtrand stehen.

„Das sagt aber nur etwas über den Hass aus, den die Menschen hier auf die nationale Armee haben; es bedeutet aber nicht, dass sie Sympathien hegen für Al-Qaida“, erklärt ein Bewohner von Falludscha, der trotz der andauernden Kämpfe in der Stadt ausharrt. Er sagt: „Die Lebensmittel werden knapp, alle Schulen sind geschlossen, die Banken auch, an ein normales Leben ist nicht zu denken.“ Und was tut Al-Maliki, als Al-Qaida-Terroristen vier Monate vor den geplante Parlamentswahlen versuchen, irakische Städte zu erobern? Er gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Am Samstag behauptete er bei einer Feierstunde zum zweiten Jahrestag des Abzugs der US-Armee aus dem Irak, die Protestbewegung in der Provinz Al-Anbar, die seit einem Jahr seine Absetzung fordert, sei letztlich nichts anderes, als eine weitere Facette von Al-Qaida. (dpa)

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