Von Iran bis Jemen : Eine Nah- und Mittelostkonferenz wäre an der Zeit

Man kann es Israel nicht verübeln, skeptisch zu sein gegenüber einem Abkommen mit dem Iran. Denn die gesamte Region ist ein Pulverfass, von Syrien bis Saudi-Arabien. Notwendig wäre deshalb eine Nah- und Mittelostkonferenz - nach dem Vorbild der KSZE. Ein Kommentar.

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Gut ausgerüstet: Huthi-Rebellen rücken im Jemen immer weiter vor.
Gut ausgerüstet: Huthi-Rebellen rücken im Jemen immer weiter vor.Foto: Mohamed al Sayaghi/Reuters

Es sieht nicht gut aus. Noch nicht. Warum sind die Chefdiplomaten der westlichen Welt auch sonst so vorsichtig, alle bis auf Barack Obama? Ein Abkommen mit dem Iran, das noch keines ist, das bisher nur ein Rahmen ist, der noch ausgefüllt werden muss, ist noch nicht historisch. Nein, so sieht es nicht aus. Denn der Nahe und Mittlere Osten ist ein einziges Pulverfass, buchstäblich. Das ist seine fatale Historie, und die ist ungebrochen.

Religiöse und ethnische Konflikte aus ganz anderen, früheren Zeiten. Stämme, die unter der Knute still hielten, wenden sich heute gegeneinander, so lange, bis ihr Staat auseinander fällt. Und alle schauen zu? Oder müssen demnächst zuschauen, wenn es in anderen Staaten weitergeht. Syrien, der Irak, der Jemen, Libyen, der Libanon… Wohin das Auge fällt: Unrast. Drohender Zerfall. Demnächst kann es Saudi-Arabien treffen und Katar und Bahrein und Jordanien. Ja, Jordanien. Wenn der „Islamische Staat“ dort einen Ableger aktiviert, wird das Königshaus stark genug sein, dieses Land zusammenzuhalten? Standzuhalten?

Wo heute noch Frieden zu sein scheint, ist vieles Firnis. Auch Ägypten ist nicht sicher. Dort heißt Mubarak jetzt Al-Sisi. Aufruhr zuhause wird unterdrückt, draußen werden die, die schon offen gegen Islamisten kämpfen müssen, mit Härte unterstützt. Zum eigenen Nutzen. Siehe den Jemen.

Und da will es irgendjemand Israel verübeln, in Fragen der Sicherheit skeptisch zu sein? Misstrauisch sogar? Sicherheit, nur schon das Wort klingt seltsam in diesem Zusammenhang, in diesem Meer von Gefahren fürs eigene Überleben, wie sich nahezu täglich mehr zeigt. Beim Thema Sicherheit gibt es keine Unterscheidung zwischen Opposition und Regierung. Da geht es nicht mehr um einen Benjamin Netanjahu, vergesst es, vergesst ihn für einen Moment. Auch ein Jitzhak Herzog denkt nicht in ganz anderen Kategorien. Oder ein Jair Lapid. Das Existenzrecht Israels anzuerkennen, ist diese Forderung an die Staaten der Region übertrieben? An den Iran, wo der Kommandeur der Revolutionsgarden gerade noch verkündet hatte, das Ziel einer Zerstörung Israels sei „nicht verhandelbar“?

Ein Abkommen mit dem Iran müsste der Anfang sein: für Verhandlungen über Sicherheit und Zusammenarbeit nach dem Vorbild der KSZE. Das würde vielleicht historisch.

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