Politik : Von Pakistan nach Teneriffa

Auch Flüchtlinge aus Asien versuchen nun, über Westafrika nach Europa zu gelangen

Ralph Schulze[Madrid]

Auch asiatische Flüchtlinge versuchen nun vermehrt von Westafrika aus, europäische Küsten per Boot anzusteuern. Auf einem alten Fischkutter, der vor der zu Spanien gehörenden Kanareninsel Teneriffa aufgebracht wurde, entdeckte die Küstenwacht 216 Immigranten. Sie stammen vermutlich aus Indien, Pakistan und Sri Lanka. Da der Kahn kaum noch seetauglich war, wurde das rund 40 Meter lange Schrottschiff in den Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz geschleppt. Das Schiff soll die Flüchtlinge an der westafrikanischen Küste von Senegal oder Guinea-Bissau an Bord genommen haben.

Dies ist nicht das erste Mal, dass asiatische Flüchtlinge an spanischen Küsten landen, auch wenn sie bisher nicht in großer Zahl auf den Kanaren strandeten. Im Juni war ein schrottreifer Fischkutter mit 226 Asiaten an der andalusischen Küste vor Cadiz abgefangen worden; auch jenes Schiff war vermutlich von Westafrika losgefahren, das zunehmend zur Drehscheibe für Flüchtlinge aus aller Welt Richtung Europa wird. Ähnliche Geisterschiffe mit asiatischen Immigranten trieben auch schon in Italien und Griechenland an. Die senegalesischen Behörden teilten derweil mit, dass sie rund 100 weitere Pakistaner aufgegriffen haben, die per Flugzeug in der Hauptstadt Dakar eintrafen und nun offenbar auf ihre Bootsfahrt nach Europa warteten.

Unterdessen begann in der Nacht zum Freitag die Abschiebung von bis zu 1000 Senegalesen von den Kanarischen Inseln in ihre Heimat. In der nordsenegalesischen Stadt Saint Louis traf nach langem diplomatischem Tauziehen das erste spanische Flugzeug mit 60 senegalesischen Flüchtlingen ein. Die zwangsweise zurückgeflogenen Immigranten machten bei der Ankunft einen niedergeschlagenen Eindruck; sie sollten in ihre Heimatdörfer transportiert werden. Zuvor war eine Rückführung der Flüchtlinge daran gescheitert, dass Senegals Präsident Abdoulaye Wade im letzten Moment die Landeerlaubnis zweier spanischer Flüchtlingsflugzeuge in der Hauptstadt Dakar verweigert hatte. „Technische Probleme“ hätten den geplanten Auftakt der angekündigten Massenabschiebung von tausenden senegalesischen Armutsflüchtlingen verhindert, hatten Sprecher beider Regierungen in Madrid und Dakar mitgeteilt.

Senegal und Spanien haben vereinbart, die Zwangsheimführung der illegalen Wirtschaftsflüchtlinge unter größtmöglicher Geheimhaltung abzuwickeln. Bereits im Mai hatte Senegals Staatschef Zwangsrückführungen seiner geflüchteten Landsleute nach dem ersten Abschiebeflug gestoppt. Die Ankunft der mit Handschellen gefesselten Senegalesen, die gegen ihren Willen von den Kanaren nach Dakar zurückgeflogen worden waren, hatte für Demonstrationen und brennende Barrikaden in der senegalesischen Hauptstadt gesorgt.

Diesmal führte die sich abzeichnende Abschiebung der Armutsflüchtlinge, die nach lebensgefährlichen Bootsreisen auf den Inseln ankamen und auf ein besseres Leben in Europa hofften, zu Tumulten und Protesten in den spanischen Auffanglagern. Auch im Senegal gab es öffentliche Proteste gegen Präsident Wade. Madrid hatte im Gegenzug für die Rückführung der Flüchtlinge 20 Millionen Euro Entwicklungshilfe zugesagt. Spaniens Außenminister Angel Moratinos kündigte an, dass „die Abschiebungen in den Senegal weitergehen werden“. Rund die Hälfte der etwa 25 000 seit Jahresbeginn auf den Kanaren angekommenen Flüchtlinge sollen Senegalesen sein.

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