Politik : Von Platzeck lernen

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„Der Mann tut was, der packt an.“ Dieses Lob der Leute im Oderbruch galt beim Hochwasser 1997 dem damaligen brandenburgischen Umweltminister Matthias Platzeck (SPD). Nicht, dass die Menschen in den Katastrophenorten vom heutigen Ministerpräsidenten erwartet hätten, er selbst würde im strömenden Regen stundenlang Sandsäcke stapeln.

Deichgraf Platzeck glänzte mit seiner wohl herausragendsten Eigenschaft, seiner Sensibilität. Als erster erkannte er die Gefahr, die von den Fluten ausgingen und zog mit Koffer und fliegendem Büro an die Oder, um dort sofort auf die aufgewühlte Psyche der Betroffenen einzugehen. Der Ur-Potsdamer verstand die Sorgen seiner bodenständigen Landsleute – und versuchte sie dennoch von der Notwendigkeit einer Evakuierung zu überzeugen.

Er war Seelsorger und zugleich Brandenburgs wichtigster Öffentlichkeitsarbeiter. Keine TV-Bilder aus dem Oderbruch ohne Platzecks in diesen Tagen ernstes, mitleidendes Gesicht. Blass, mit eingefallenen Augen stand der sonst als Sonnyboy des Stolpe-Kabinetts charakterisierte entlang der brechenden Deiche den Journalisten Rede und Antwort – ein Profi in Sachen Selbstvermarktung. Die eigentliche Hilfe beim Jahrhunderthochwasser koordinierte der damalige Innenminister Alwin Ziel – im Hintergrund, still und umsichtig. Der wolle schließlich auch nicht Regierungschef werden, hieß es damals bissig aus seinem Ministerium. lem

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