Politik : Von Soldaten, Stimmungen und Ponyhöfen Merkel und de Maizière bei den Kommandeuren

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Immer einsatzbereit. Rekruten beim Reinigen ihrer Waffen. Foto: dpa
Immer einsatzbereit. Rekruten beim Reinigen ihrer Waffen. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Strausberg - Für ein bisschen Mitgefühl ist beim Militär die Bundeskanzlerin zuständig. Und ein bisschen Verständnis kann die Bundeswehr gut gebrauchen, deren Kommandeure sich am Montag wie alle zwei Jahre zur Aussprache mit dem Dienstherrn versammelt haben. Gold dominiert auf den Schulterklappen der Uniformierten in der Strausberger Bundeswehrakademie. Es ist dies im Moment aber so ziemlich das Einzige, was in der Armee glänzt. Die Neuausrichtung, gerade ein Jahr alt, steckt in ihrer Anlaufphase. Merkel ist die Stimmung nicht entgangen, die dieser Zwischenzustand in der Truppe auslöst. Wie denn auch: Der Bundeswehrverband zeigt in seiner Mitgliederumfrage ebenso wie die bundeswehreigenen Sozialwissenschaftler vielfältige Unzufriedenheit auf.

Dass die Neuausrichtung dazu diene, die Bundeswehr auch unter veränderten Bedingungen „immer einsatzbereit und bündnisfähig“ zu halten, das sage sich so leicht, „aber mir ist schon klar, dass das in das Leben jedes Einzelnen eingreift“. Abgebrochene Karrierechancen, Umzüge und Pendlerzeiten, Kasernenschließungen und das Aus für ganze Einheiten, und das alles bei weiterlaufenden Einsätzen vom Kosovo bis Afghanistan – man kann das Stöhnen verstehen. Merkel mahnt denn auch bei der Führung an, „jeder Soldat und jede Soldatin muss auf dem Weg mitgenommen werden“.

Dass es daran hapert, ist allen klar. „Wir haben den Leuten notgedrungen eine Reform von oben verordnet und erwarten jetzt, dass sie die als ihre Sache empfinden“, sagt ein Spitzenmann aus dem Bendlerblock. „Das ist ein Widerspruch.“ Tatsächlich zählt das Gefühl, gar nicht gefragt zu werden, zu den häufigsten Kritikpunkten von unten an der Reform. Auch Thomas de Maizière geht in seiner Ansprache an die eigenen Führungskräfte ausdrücklich darauf ein. Fünf Kritikpunkte hat er an der Reform ausgemacht: bloß vom Spardruck diktiert, die nächste Reform schon vorprogrammiert, „Breite vor Tiefe“, eine Mogelpackung und mit ihrer absehbaren Mehrbelastung unattraktiv für den Nachwuchs. Im Kern hält er die Kritik für falsch, macht er deutlich. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie habe die Armee Nachholbedarf, ebenso bei Einsatznachbereitung und anderem, räumt er ein. Aber der Dienst in der Armee sei nun mal kein „Leben wie auf dem Ponyhof“.

Beim Thema unzureichende Kommunikation ist er vorsichtiger. Diese Kritik nehme er „sehr ernst“, sagt de Maizière. Ihm liege an einem „Mitgehen“ aller Bundeswehrangehörigen. In die Pflicht dafür nehmen will er vor allem seine Zuhörer: „Ohne Führung ist keine Veränderung möglich – erst recht nicht in einer Armee.“ Robert Birnbaum

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