Von TISCH zu TISCH : Malatesta

Gamberi mit Avocado und Minz-Vinaigrette

Elisabeth Binder

Malatesta, Charlottenstraße 59, Mitte, Tel. 209 450 71, geöffnet täglich von 12 bis 24, sonntags bis 23 Uhr. Foto: Mike Wolff

Leider stimmt es nicht immer, dass auch Restaurants in guter Lage immer besser werden. Auf das Malatesta zum Beispiel trifft dieser Trend leider nicht zu. Dabei liegt es direkt am Gendarmenmarkt. Aus dem ersten Stock hat man, wenn nicht gerade, wie im Moment, eine Baustelle die Sicht verhindert, einen wunderbaren Blick auf einen der schönsten Plätze des Landes. Und doch. Als ich vor einiger Zeit Besuch von außerhalb ausführen wollte und im ersten Stock reserviert hatte, änderte ich kurzfristig meine Pläne, als klar wurde, dass wir dort praktisch allein sitzen würden. Diesmal hatte der Patron gleich am Telefon zu einer Reservierung im Erdgeschoss geraten.

Vielleicht will man es den Kellnern einfach machen, bietet deshalb den oberen Stock für Veranstaltungen an und lässt ihn ansonsten leer stehen. Da sich nach meinem Eindruck aber die Küche oben befindet, leuchtet das nicht richtig ein. Unten stehen viel zu viele Tische viel zu nah beieinander, während es oben ganz leer ist. Schade um ein komfortables Restauranterlebnis. Das wird zusätzlich eingeschränkt durch ein Belüftungsproblem, das nicht überall so offensichtlich ist, wie auf den Toiletten, aber spürbar vorhanden.

Im Laufe des Abends verstärkt sich das Gefühl, das einen manchmal in fremden Städten überkommt, wenn man sich in der Nähe von Sehenswürdigkeiten in ein Restaurant ziehen lässt – und plötzlich merkt, dass man in einer Touristenabfütterungsstation gelandet ist. Dabei klingt die Karte zunächst nach einem phantasievollen Koch. Leider scheint der nicht die finanziellen Möglichkeiten zu haben, sich beim Einkaufen auf wirklich erstklassige Zutaten beschränken zu können.

Am besten waren noch die Vorspeisen. Die Gamberi waren mit Avocado, Rucola und Minz-Vinaigrette so angerichtet, dass sie auf den ersten Blick wie ein Stück grüne Lasagne aussahen. Der Minzgeschmack wirkte in dieser Kombination ganz apart und passte gut (8 Euro). Auch die Minestrone war in Ordnung, aus frischem Gemüse gekocht, sie hätte allenfalls etwas charaktervoller gewürzt sein können (5 Euro).

Die Entenbrustscheiben waren nicht wirklich zart, aber auch nicht zäh. Allerdings fehlten die versprochenen Waldbeeren. Es gab lediglich einen „Spiegel“, wie das im Restaurantdeutsch heißt, eine auf dem Teller dünn ausgestrichene Fruchtmasse mit Waldbeerengeschmack, auf der das Fleisch angerichtet war. Dazu zwei Kugeln Kartoffelpüree und grüne Bohnen (17,50 Euro).

Auch bei den Fischspeisen schimmert die Lust des Kochs am Kombinieren durch, bei den Lottemedaillons mit Ingwer auf Rote-Bete-Carpaccio ebenso wie beim Thunfisch mit frischem Koriander. Das Schwertfischfilet war okay, aber definitiv nicht unmittelbar aus dem Meer gesprungen, die Artischocken dazu zwar frisch, aber leider auch ziemlich holzig. Als Ergänzung gab es noch eine bauchige Salatschüssel mit Rucola, Möhrenraspeln, Cherrytomaten und Essig-Öl-Dressing zum Selberbasteln (18,50 Euro). Zum Nachtisch wird eine reichliche Portion ordentliches Tiramisu mit Erdbeeren aufgetragen (5 Euro). Der Pecorino al Peperoncino ist großzügig angerichtet mit halbwegs einleuchtenden Kiwivierteln. Nur die blassen Pinienkerne wussten nicht so recht, was sie in so muskulöser Gesellschaft sollten (5 Euro).

Die Weinkarte setzt sizilianische Akzente. Der 2006er Alcamo Bianco (19,50 Euro) hatte einen eigentümlichen, für sein Alter fast überreifen Geschmack, besser war der offene Bardolino (0,1l für 2,90 Euro). Der Service ist geschäftsmäßig freundlich, weder übertrieben schnell noch unnötig verbindlich.

Benannt ist das Haus offenbar nicht nach jenem tragischen Giovanni Malatesta, Sprössling des Herrscherhauses von Rimini, der seine Frau Francesca und seinen jüngeren Bruder Paolo im späten 13. Jahrhundert beim Ehebruch ertappte, die beiden tötete und so immerhin zu einer Rolle in Dantes Inferno kam, sondern nach dem italienischen Anarchisten Errico Malatesta, der Mitte des 19. Jahrhunderts geboren wurde. Egal wie, beiden macht man hier nicht unnötig viel Ehre. Das Essen ist ja weder richtig tragisch noch lustvoll anarchisch. Schade, um die schöne Lage!

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